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Erfurter Herbstlese
Es lebe die Erfurter Herbstlese!
Juli 22 2020

Vorgestellt von Marlene Borchers, Literaturwissenschaftlerin

Paul Auster „4321“

Paul Auster „4321“
Paul Auster „4321“

Was für ein interessanter Gedanke, sich vorzustellen, wie für ihn alles anders sein könnte, auch wenn er selbst immer derselbe bliebe. Ja, alles war möglich, und nur weil etwas auf eine bestimmte Weise geschah, hieß das noch lange nicht, dass es nicht auch auf eine andere Weise geschehen konnte.“ Ein Roman erzählt meistens eine Geschichte, die einen bestimmten Verlauf nimmt. Aber warum muss die Geschichte gerade so erzählt werden? Jede Geschichte hat Potential für mehr, für andere Entscheidungen, andere Erlebnisse und andere Enden.

Juli 20 2020

Vorgestellt von Monika Rettig, Programmleiterin Erfurter Herbstlese

Anna Katharina Hahn „Aus und davon“

Anna Katharina Hahn „Aus und davon“
Anna Katharina Hahn „Aus und davon“

Anna Katharina Hahn erzählt von einer Familie, in der eigentlich starke Liebesbande wirken, deren Mitglieder es aber dennoch nicht schaffen, Nähe zueinander herzustellen. Hinz meint, nach seinem Schlaganfall eine Pause von seiner Ehe zu brauchen, und steigt ins Taxi, das ihn zusammen mit einer anderen Frau nicht wie geplant in die Reha, sondern auf einen ganz neuen Lebensweg bringen soll. Seine Frau Elisabeth bleibt verstört  zurück und muss sich zu allem Überfluss auch noch um die Enkelkinder Stella und Bruno kümmern, da ihre Tochter Cornelia eine seit längerem geplante Auszeit in den USA nimmt.

Juli 09 2020

Vorgestellt von Margarete von Schwarzkopf, Literaturkritikerin und Autorin

„Der Morgen, an dem mein Vater verschwand“

„Der Morgen, an dem mein Vater verschwand“
„Der Morgen, an dem mein Vater verschwand“

Ein endloser deutscher Titel für einen Roman, der auf Italienisch schlicht „Addio Fantasmi“ heißt, zu Deutsch „Adieu Geister“. Mit einem Hundertjährigen, der aus Fenstern steigt, hat dieser beeindruckende Roman der auf Sizilien geborenen Autorin auch nichts gemein. Ida, Mitte dreißig, stammt aus Messina, lebt aber seit sechzehn Jahren in Rom und ist mit Pietro verheiratet. Mit Recht wurde Nadia Terranova für dieses einfühlsame und bei aller Tragik lebensbejahende Werk für den Premio Strega nominiert, den höchsten italienischen Literaturpreis für Autorinnen.

Juni 22 2020

Fundstücke aus dem Buchasyl (1) - Professor Filutek

Rendezvous mit einem zerstreuten Professor

Rendezvous mit einem zerstreuten Professor
Rendezvous mit einem zerstreuten Professor

Mit unseren Empfehlungen wollen wir helfen, der geneigten Leserschaft in der Flut der Neuerscheinungen den Überblick zu behalten. Doch das Herz der Erfurter Herbstlese schlägt, selbstverständlich, auch für die betagten Bücher, die im Buchasyl im Kultur: Haus Dacheröden sehnsüchtig auf einen neuen Besitzer warten; einen, der sie aufschlägt, und vorsichtig in ihren betagten Seiten blättert. Heute geht es um Prof. Filutek, ein Strichmännchen, erdacht von Zbigniew Lengren, das gerne schönen Frauen hinterher sieht, und mit seinem kleinen Hund auch sonst diverse Abenteuer zu bestehen hat.

Juni 21 2020

Vorgestellt von Kathleen Kröger, Freie Mitarbeiterin im Kultur: Haus Dacheröden

Magdalena Jagelke „Ein gutes Verbrechen“

Magdalena Jagelke „Ein gutes Verbrechen“
Magdalena Jagelke „Ein gutes Verbrechen“

Tara muss sich mit der Frage auseinandersetzen, ob das plötzliche Verschwinden ihrer Mutter nicht nur ein schmerzlicher Verlust, sondern auch ein „gutes Verbrechen“ war, der sie vor vielen seelischen Missständen bewahrt hat. Magdalena Jagelke schafft es, in kurzen Kapiteln ein klares und verdichtetes Bild ihrer Protagonistin zu skizzieren; ohne dabei die Sentimentalitäten zu bedienen, die im Rahmen dieser Thematik stereotyp und zu erwarten sind. Im ganzen Buch bleibt sie sachlich und schafft es, starke, oft sehr eigenwillige Bilder zu zeichnen, statt große Psychoanalyse zu betreiben. 

Juni 20 2020

Vorgestellt von Jens Kirsten vom Thüringer Literaturrat

Olivia Wenzel „1000 Serpentinen Angst“

Olivia Wenzel „1000 Serpentinen Angst“
Olivia Wenzel „1000 Serpentinen Angst“

Olivia Wenzel ist eine waschechte Thüringerin. 1985 geboren wächst sie mit ihrem Zwillingsbruder in Weimar auf. Obwohl es Rassismus in der DDR offiziell nicht gibt, erfahren sie von kleinauf aufgrund ihrer Hautfarbe Ablehnung. Ihr Vater muss zurück nach Angola; die Kinder wachsen bei ihrer alleinerziehenden Mutter auf. Die Ausgrenzung legt eine Lebensspur. Mit fünfzehn Jahren wirft sich der Bruder vor einen Zug. Von einem Tag auf den anderen geht Olivias Kindheit zu Ende. Sie will weg und weiß noch nicht, dass Ankommen ohne Heimat überall schwer ist. 

Juni 19 2020

Vorgestellt von Margarete von Schwarzkopf, Literaturkritikerin und Autorin

Karine Lambert „Der unsichtbare Garten“

Karine Lambert „Der unsichtbare Garten“
Karine Lambert „Der unsichtbare Garten“

Vincent Morel ist 35 Jahre alt, erfolgreicher Tennistrainer, hat eine schöne Freundin und träumt davon, eine Familie zu gründen. Gelegentlich stört ihn ein kleiner heller Fleck in seinem Sehfeld, doch das könnte auch von der sportlichen Verausgabung bei manchen härteren Matchs kommen. Glaubt er. Bis ihm seine Augenärztin eine furchtbare Diagnose stellt: Vincent leidet an der Leberschen Optikusneuropathie, einer genetisch bedingten Augenerkrankung des Sehnervs. Er beginnt den verwilderten Garten des Großvaters neu zu gestalten. Und er spürt, dass selbst ein Blinder den Zauber der Natur erfassen kann. 

Juni 18 2020

Vorgestellt von Marlene Borchers, Literaturwissenschaftlerin

Herman Koch „Angerichtet“

Herman Koch „Angerichtet“
Herman Koch „Angerichtet“

Familienessen inklusive Krisensitzung im Nobelrestaurant – allein die Ausgangssituation in Herman Kochs Roman verspricht dramatische Wendungen. In „Angerichtet“ ist der Anlass für das Essen in der Tat kein freudiger: die fünfzehnjährigen Söhne der beiden Ehepaare, die im Zentrum des Familiendramas stehen, haben etwas angestellt, dass ihre Zukunft langfristig ruinieren könnte. Eigentlich soll das Gespräch zu einer Lösung führen. Stattdessen wirft es Fragen auf: Wie weit darf Elternliebe gehen? Was können, sollen und dürfen Eltern tun, um ihre Sprösslinge zu beschützen?

Juni 17 2020

Vorgestellt von Karen Lottegier, Buchhändlerin

Christian von Aster „Vier Füße für ein Halleluja“

Christian von Aster „Vier Füße für ein Halleluja“
Christian von Aster „Vier Füße für ein Halleluja“

Dieses Buch hat mir außerordentlich gut gefallen. Nicht nur die Geschichten sind genial, auch die Aufmachung. Ein hochwertiges Hardcover, das gut in der Hand liegt und dazu auch noch hübsch aussieht. Man wird neugierig und hat sofort Lust sich das Buch näher anzusehen. Sobald man es aber in der Hand hält, schafft man es nicht mehr, es wieder wegzulegen. Den Leser erwartet ein feine Sammlung satirischer Kurzgeschichten, in denen Kirche und Teufel zentral stehen. Die Geschichten sind abwechslungsreich, lustig und machen Spaß zum Lesen. Sie sind: einfach großartig!

Juni 16 2020

Vorgestellt von Margarete von Schwarzkopf, Literaturkritikerin

Ta-Nehisi Coates „Der Wassertänzer“

Ta-Nehisi Coates „Der Wassertänzer“
Ta-Nehisi Coates „Der Wassertänzer“

Die deutsche Ausgabe dieses Romans ist genau zur rechten Zeit erschienen. Der 1975 in Baltimore geborene Ta-Nehisi Coates ist ein wortgewaltiger Autor, der in etlichen Publikationen über die Wurzeln der amerikanischen Rassenproblematik geschrieben hat und sich politisch engagiert. Das Thema „Sklaverei“ beschäftigt ihn auch in seinem ersten Roman, „Der Wassertänzer“. Ein faszinierendes Buch über Menschenwürde und die Perversion der Sklaverei. Neben „Underground Railroad“ von Colson Whitehead einer der besten Romane der letzten Jahre zu dieser komplexen Thematik.

Über uns

Erfurter Herbstlese e.V. - Es lebe die Erfurter Herbstlese!

Unser Literaturverein organisiert seit 1997 die Erfurter Herbstlese, die zu den großen literarischen Veranstaltungsreihen in Deutschland gehört. Es lebe die Erfurter Herbstlese!

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