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Erfurter Herbstlese
Es lebe die Erfurter Herbstlese!
Mai 24 2020

Vorgestellt von Kathleen Kröger, Mitarbeiterin im Kultur: Haus Dacheröden

John Connolly „Stan“

John Connolly „Stan“
John Connolly „Stan“

Ein unschuldiger Blick, ein ungelenkes Kopfkratzen und eine entweder zu kleine oder zu große  Melone sind die unverwechselbaren Merkmale, die Stan Laurel in seinen Filmen zu seinen Markenzeichen machte. Der Schauspieler, der zusammen mit Oliver Hardy das erste medienpräsente und weltweit bekannte Comedyduo bildete, gehört zum festen Ensemble der großen Fimstars, deren Bekanntheit die Stummfilmära bis heute überdauert. Als „Dick und Doof“, wie Laurel und Hardy im Deutschen genannt werden, sind sie auch heute noch in den Fernsehprogrammen vielleicht nicht all-, aber doch sehr gegenwärtig. Dabei hatten beide Schauspieler schon lange bevor sie sich kennenlernten jeweils über 100 Filme abgedreht, die heute in ihrer Fülle kaum recherchierbar sind.

Der irische Journalist und Schriftsteller John Connolly hat sich als Autor dem Leben Stan Laurels gewidmet und es in kurzen, episodenhaften Kapiteln rekonstruiert. Von der Entdeckung seines Talents zum Komiker bis zur ewigen Konkurrenz mit Charlie Chaplin im Kampf um die vielversprechendsten Hauptrollen geht es in „Stan“ nicht ausschließlich um das Filmgeschäft des frühen 20. Jahrhunderts. Auch die durchweg als sehr innig und ehrlich beschriebenen Liebesbeziehungen des Filmstars stehen im Fokus. So sind seine Partnerinnen zugleich seine engsten Beraterinnen, wenn es um Engagements und Rollenangebote geht. Doch der wichtigste Mensch im Leben Laurels ist und bleibt ein Mann – Oliver Hardy, den er stets bei seinem Spitznamen „Babe“ nennt.

Inszeniert, als würde der alte Stan Laurel selbst auf sein Leben zurückblicken, lässt Connolly die Geschichte der beiden Filmstars Revue passieren, vermischt dabei belegbare Anekdoten, sofern sie vorhanden sind, mit fiktiven inneren Mono- und Dialogen, wenn die Geschichte nur Unwägbarkeiten hinterlassen hat. So zeigt er Laurel als nachdenklichen, melancholischen Mann voller Selbstzweifel und kreiert ein neues, menschlicheres Bild des Mannes, der als „Doof“ zwar auf eine Art liebevoll, aber eben doch unvollständig im kollektiven Gedächtnis verankert ist.

Kathleen Kröger ist Freie Mitarbeiterin im Kultur: Haus Dacheröden

 

 

 

John Connolly „Stan“
Rowohlt Verlag, 528 Seiten, Hardcover
ISBN 978-3498009465
24,00 Euro

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