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Erfurter Herbstlese
Es lebe die Erfurter Herbstlese!
Mai 28 2020

Vorgestellt von Bettina Nawroth, Studentin und Buchhändlerin

Kübra Gümüşay „Sprache und Sein“

Kübra Gümüşay „Sprache und Sein“
Kübra Gümüşay „Sprache und Sein“

Eine Feministin mit Kopftuch? Kübra Gümüşay, geboren 1988 in Hamburg, ist studierte Politikwissenschaftlerin, Journalistin, Bloggerin und hat nun ihr Erstlingswerk „Sprache und Sein“ veröffentlicht. Darin plädiert sie für eine inkludierende Sprache. Bestimmte Gruppen fänden in unserer Gesellschaft keinen Weg in die Sprache, so Gümüşay. Sie vergleicht Sprache mit einem Museum, das die Welt erklärt. Die Menschen existierten dort in zwei Kategorien: die Benannten und die Unbenannten. Die Unbenannten sind die, die die Deutungshoheit haben, aus deren Perspektive berichtet wird. Sie sind die Norm, die Kuratoren. Die, die von der Norm abweichen, werden von den Unbenannten benannt. Sie werden dadurch als fremd und nicht zugehörig marginalisiert und als Stellvertreter ihrer Gruppe gesehen. Jede ihrer Handlungen und Aussagen wird der ihnen zugewiesenen Gruppe zugerechnet. Das beraube sie ihrer Individualität und spreche ihnen ab, Teil der Gemeinschaft zu sein.

Gümüşay selbst erlebt immer wieder Anfeindungen und wird aufgefordert, sich zu bestimmten Themen zu positionieren. Sei es als Person mit türkischem Migrationshintergrund zu Erdoğan oder als Muslima zu Islamismus und der Rolle der Frau im muslimischen Glauben.

Mit ihrem Buch öffnet sie den Blick auf die Individualität eines jeden Einzelnen. Sie gibt damit der Perspektive der „Benannten“ Raum, um ihnen eine Stimme im Museum der Sprache zu geben oder die Notwendigkeit dafür aufzuzeigen. Dabei ist ihr wichtig zu betonen, dass die Motive für die Verwendung ungerechter Sprache eine entscheidende Rolle spielen. In vollem Bewusstsein verwendet, mache man sich mit der rassistischen, sexistischen und menschenfeindlichen Idee dahinter gemein. Fehler sind auf dem Weg dahin möglich und verzeihlich.

„Erst wenn keine Perspektive über andere Perspektiven herrscht, diese strukturell unterordnet und unterdrückt, erst dann können alle Menschen unabhängig von Herkunft, Ethnie, Körper, Religion, Sexualität, Geschlecht, Nationalität frei sprechen."

Wie schön wäre es, wenn wir alle daran arbeiteten, dass dieses Ziel in greifbare Nähe rückt.

Bettina Nawroth ist Studentin und Buchhändlerin.

 

 

 


Kübra Gümüşay „Sprache und Sein“
Hanser Berlin, 206 Seiten, Hardcover
ISBN 978-3446265950
18,00 Euro

 

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