Stefan Nink im Klub Franz Mehlhose
Ach du faule Kobra

Ein guter Reisereporter wird seinen Lesern alles genau so erzählen, wie es war. Natürlich recherchiert er auch, ob das, was ihm widerfuhr, die Reisebranche auch normalen Touristen angedeihen lässt. All sein Wissen über Land und Leute fließt dann in seine Reportage, die Redaktion sorgt sich dann noch um ein paar schöne Fotos, würzt den Artikel mit den notwendigen Service-Adressen und Web-Links und hängt vielleicht noch ein kleines Reiserätsel dran, fertig ist der (Reise-)Lack.
Der verliert für den Reporter aber mit der Zeit seine Strahlkraft. Immer noch luxuriösere Ressorts oder abgelegenere Trails, immer weißere Strände oder blauere Seen, mit der Zeit wird es doch langweilig. Gut möglich, dass sich so ein Reporter dann nicht mehr nur an das selbst erlebte hält. Durchaus denkbar, dass er sich seinen eigenen Reim auf die Geschichten macht, die ihm die Guides so auf seinen Trips erzählen. Was für ein Glück, wenn er seine fiktive Tour mit ein wenig Irrsinn würzt, mit dem erfundenen Taten großer Männer und den Mausoleen von Helden, die es nie gegeben hat. Kurz, wenn Wirklichkeit und Spinnerei daher geschlendert kommen wie ein Hotel mit Halbpension – dann, ja dann kann es sein, dass Stefan Nink seine Hände im Spiel hatte. Und hat.
Der Beweis für diese gewagte These ist leicht geführt. Man nehme dafür nur ein Exemplar von „Freitags in der Faulen Kobra“ zur Hand und beginne zu lesen.
Was da dem Herren Siebeneisen widerfährt, ist ein Reisetrip der ganz anderen Art. Wie er sich auf die Reise macht, im Auftrag eines indischen Maharadschas die Bruchstücke einer magischen Figur zu sammeln, die der Familie zu alter Macht und Reichtum verhelfen sollen, wie er strandet wie einst Captain Cook vor Tonga, dessen Logbüchern er folgt, wie die faule Kobra im gleichnamigen Teehaus ins Geschehen eingreift, all das sorgt für Lesevergnügen pur.
Das wissen die vielen Menschen, die Stefan Nink im Klub „Franz Mehlhose“ sehen und lesen hören wollen. Oder sie ahnen es, weil sie das Vorgängerbuch „Donnerstags im Fetten Hecht“ kennen. Sie werden nicht enttäuscht, weder vom Erzähler noch vom Vorleser Stefan Nink. Der, so zwischen den ganzen netten Leuten, auch sichtlichen Spaß an diesem Abend hat. Und der endet, wie er wohl muss: Mit Lesern, die sich sein Buch signieren lassen.
Stefan Nink in der Mehlhose
Fotos: Holger John