Erfurter Herbstlese

Es lebe die Erfurter Herbstlese!
Nov. 20 2016

Auch derXII. Highslammer bringt den Saal wieder zum Kochen – und am Ende einen verdienten Sieger

Der Stadtgarten wird zur Jury

Ohne ihn geht beim Highslammer gar nichts: Aida, aka Andreas in der Au.
Ohne ihn geht beim Highslammer gar nichts: Aida, aka Andreas in der Au.

Man nehme neun Poeten, eine Musikerin, eine Künstlerin und einen Moderator. Dazu kommt ein begeisterungsfähiges, klatschendes und Beifall spendendes Publikum. All das wird abgerundet mit einer Prise Humor, Witz, Nachdenklichkeit, Ernsthaftigkeit und Heiterkeit. Getragen wird das Ganze von einer großen Portion Kreativität und zum Garnieren kommen ein paar Lachtränen mit dazu. Fertig ist der Highslammer XII., der den Stadtgarten in Erfurt in ein Fest des gesprochenen Wortes verwandelt.

Aus allen Himmelsrichtungen kommen die Poeten (und die Poetinnen) des Abends, um in sechs Minuten das Publikum für sich einzunehmen. Beim Highslammer treffen sie auf eine ganz besondere Jury. Nicht wie sonst, auserlesene Schiedsrichter, die auf Kommando eine Punktekarte in die Luft strecken, wie beim Eiskunstlauf, sondern das ganze Publikum gefordert. Der Applaus entscheidet, wer es in die nächste Runde schafft. Klatschen, Pfeifen, Trampeln, alles ist erlaubt, um die Poeten auf der Bühne zu feiern.

Um aber erst einmal an die hohe Kunst des Poetry Slams herangeführt zu werden, beginnt der Abend nach einem musikalischen Einstieg der Erfurter Musikerin Friederike T., mit einem speziellen Poeten: Friedrich Herrmann, der Gewinner des Vorjahres. Seine Performance lässt erahnen, was in den nächsten drei Stunden passieren wird. Wer bei Friedrich schon erste Lachtränen verdrückt, kann sich auf was gefasst machen. Vor allem das Live-Hörspiel von Friedrich Herrmann lässt das Publikum schwer ruhig bleiben.

Dann geht es um alles. Wer wird Friedrichs Platz einnehmen am Ende des Abends, wird beim nächsten Highslammer als vorangegangener Gewinner die Bühne betreten? Zunächst ist da aber noch Aida, aka Andreas in der Au, vom Highslammer e.V. Er Führt das Publikum durch den Abend. Los geht es mit Jakob Brückner, der aus Leipzig angereist ist. Sein Gegner: Felix Lobrecht aus Berlin.

 Schnell wird klar: Felix wird an diesem Abend nicht der letzte Berliner sein, der die Stufen zur Erfurter Bühne hinaufsteigt. Während Jakob Brückner in seinen sechs Minuten einen kompletten Text vorträgt, schafft Felix Lobrecht lediglich den Anfang seines Textes. Seine sechs Minuten sind gefüllt mit Stand-up Comedy, was das Publikum nachhaltig dazu animiert, sich vor Lachen den Bauch zu halten. Die erste Entscheidung steht an. Für wen wird sich das Publikum entscheiden? Für wen wird es lauter klatschen? Das Publikum ist verzaubert von Felix Lobrecht und möchte ihm nochmal die Möglichkeit geben, einen Text – und diesmal vielleicht sogar den ganzen – vorzutragen.

Schon geht es weiter mit dem nächsten Duell in diesem Dichterwettstreit. Jena trifft auf Berlin. Arndt Ulrichsen gegen Zoe Hagen. Auch in diesem Duell schafft es die Berlinerin mit einem Brief an ihren Bruder ins Halbfinale. Doch die Entscheidung lässt auf sich warten. Denn so schnell lässt sich bei diesem Duell kein Sieger ermitteln. Nun muss ein zwei Sekunden Applaus her. Für jeden dürfen nur zwei Sekunden geklatscht werden und es darf nur für einen von beiden geklatscht werden. Erst so kann ein Sieger respektive eine Siegerin aus diesem Duell hervorgehen.

Während nach einer kurzen Pause wieder ein Lied von Friederike T. den Saal verzaubert, geht es munter weiter mit den Wortgefechten. Elli Linn, die Thüringer Vizelandesmeisterin trifft auf Sebastian Hahn, den U20 Landesmeister von Niedersachsen und Bremen. Mit Elli Linn kehren ein paar nachdenkliche Minuten ein. Ihr Text ist ein Plädoyer für die menschliche Würde und das eigene Handeln. Ihre Worte hinterlassen eine schreiende Wehmut. Hat doch jeder sich schon einmal dabei ertappt, wie er nur dachte anstatt zu handeln.

Als Sebastian Hahn mit seinem Text beginnt, ist schnell deutlich, dass nun wieder die Lachmuskeln gefragt sind. Erneut ein schwieriges Duell. Der Moderator des Abends ist sichtlich angetan von der Begeisterung des Publikums, muss sich aber nun doch entscheiden. Schließlich fragt er die beiden Poeten, ob sie einen Unterschied gehört hätten. Gentlemanlike zeigt Sebastian auf Elli, und es ist entschieden. Es steht also fest: zwei Frauen im Halbfinale, da kann sich jede Frauenquote noch eine Scheibe von abschneiden.

Aber ein Duell steht noch aus. Pauline Füg, Preisträgerin des Kulturpreises Bayern und des Sprachbewahrerpreises, betritt nach einer Anfahrt aus Würzburg die Bühne. Nach ihr der letzte Kandidat aus Berlin: Nick Pötter. Sein Text ein Versuch, Kindern die Liebe zu erklären. Wieder bahnt sich eine knappe Entscheidung an. Wer wird als Letzte oder als Letzter ins Halbfinale einziehen? Donnernder Applaus und Johlen. Nick Pötter zieht als dritter Berliner in das Halbfinale ein.

Um die Nerven zu beruhigen, noch einmal tief durchzuatmen und sich für die kommenden Stunden zu stärken, werden alle noch mal in eine Pause entlassen. Nachdem Friederike T. ihre letzten Lieder für diesen Abend mit dem Publikum teilt, kann es mit dem Halbfinale losgehen. Felix Lobrecht, Zoe Hagen, Elli Linn und Nick Pötter halten sich bereit. Auch diesmal schafft es Felix nicht, seinen Text zu vollenden. Weil er noch den Schluss des vorangegangenen Textes liest, bleiben ihm am Ende nur 45 Sekunden für den zweiten. Schließlich verlässt er die Bühne, nicht wissend, dass ihm noch neun Sekunden verbleiben.

Gleich nach ihm kann Zoe Hagen ihre sechs Minuten nutzen. Sie nimmt die Zuhörer mit in ihre Kindheit und einige ertappen sich dabei, wie sie in Gedanken wie durch einen Spiegel in ihre eigene Vergangenheit schauen. Am Ende darf sich Zoe Hagen über einen Platz im Finale freuen.

Nun muss nur noch der zweite Finalist gefunden werden. Elli Linn gibt alles und widmet ihren Text dem Normalsein. Auch Nick Pötter setzt mit seinem Text ein Ausrufezeichen für den Umweltschutz und kann damit ins Finale einziehen.

Nach dem Finaltext von Zoe Hagen über Berlin, muss nur noch Nick Pötter seine Worte lebendig werden lassen, dann kann der Gewinner des zwölften Highslammers in Erfurt gekürt werden. Reichtum, Weisheit, Liebe und Gesundheit übernehmen in dem Text von Nick Pötter die Regie. Und der Gewinner ist . . . Nick Pötter. Aber nicht nur er bekommt als Preis ein Kunstwerk von Jana Georgi Malerei aus Erfurt, sondern auch Zoe Hagen, darf sich als Zweitplatzierte über ein etwas kleineres Kunstwerk der Künstlerin freuen.

Doch Aida wäre nicht Aida, wenn nicht alle Teilnehmer am Ende eine Kleinigkeit bekämen. So ist jeder Teilnehmer am Ende stolzer Besitzer eines Schokoladenadventskalenders, der ihnen einige der Tage bis zum nächsten Highslammer bestimmt versüßt.

(*) Linnea Müller absolviert bei der Herbstlese ihr Freiwilliges Soziales Jahr Kultur.

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