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Aug. 20 2020

Interview mit Anne-Sophie Monrad

„Ganz oben muss sich etwas ändern“

Anne-Sophie Monrad berichtet aus der Modebranche. Foto: dtv/Henry Branscheidt
Anne-Sophie Monrad berichtet aus der Modebranche. Foto: dtv/Henry Branscheidt

Von Hanna Kröger*

Hunger, zu kleine Schuhe, Missbrauch – davon erzählt Anne-Sophie Monrad in ihrem Buch „Fashion Victim“ („Mode-Opfer“). In Zusammenarbeit mit seiner Co-Autorin Katrin Blum hat das einstige Topmodel seine Erfahrungen in der Mode-Welt aufgeschrieben und veröffentlicht. Das Buch wird Sophie Monrad bei der Herbstlese vorstellen. 

Sie schildern schockierende Momente bei der Arbeit als Model. Ist das Buch eine Aufarbeitung des Erlebten oder eine Abrechnung mit der Modebranche?

Dass das Buch eine Abrechnung ist, würde ich nicht sagen. Eine Art Selbstschutz und Verarbeitung, um nicht wieder der Droge zu verfallen und unter diesen Bedingungen wieder in die Branche hineinzurutschen.

Ihr neues Buch bringt Sie von Laufstegen in Mailand zu Lesungen in Erfurt – wie fühlt sich diese Veränderung für Sie an?

Ich bin aufgeregt, weil es etwas ganz anderes ist. Aber ich freue mich, dass das Buch endlich draußen ist. Das Buch erzählt meine Geschichte. Es geht nicht um irgendeinen Designer, sondern um meine Persönlichkeit, das ist ein Riesenunterschied. Bei einer Modenschau kenne ich den Ablauf, und die Aufregung ist nicht mehr so groß. Jetzt weiß ich nicht, was auf mich zukommt. Vor allem erzähle ich ja total persönlich von mir – das ist was ganz anderes, als in einem Designerkleid zu stecken und es verkaufen zu müssen. Die Aufregung ist größer und schöner.

Am Anfang Ihrer Karriere hat sich Ihr Essverhalten stark verändert – wo ist die Grenze zwischen Disziplin und Essstörung?

Es ist natürlich ein Riesenunterschied. Das eine ist eine Krankheit und das andere ist eine Eigenschaft. Ich war beim Essen damals in dem Sinne diszipliniert, dass ich mich an die Vorgaben der Branche gehalten habe. Vielleicht entsteht dadurch eine Störung – wenn ich so viel Lob bekomme, wenn ich so dünn bin und weniger esse, dann entwickelt sich eine Abneigung gegen das Essen.

Heute wollen Sie sich nicht mehr verbiegen und rebellieren gegen das System der Modebranche – bekommen Sie trotzdem noch Aufträge?

Ich habe jetzt ein Jahr, während ich das Buch gemacht habe, nichts gemacht an Aufträgen. Ich habe das ganz bewusst abgelehnt, um mich selbst wieder in meinem Körper wohlzufühlen, was mir immer noch schwer fällt. Auch, wenn es schon viel besser geworden ist. Wie die Branche reagiert, wird natürlich spannend. Anschließend würde ich allerdings nicht noch einmal modeln. Ich würde nie wieder für einen Job abnehmen und meine Gesundheit riskieren.

In Ihrem Buch schreiben Sie von der Idee, als Ernährungsberaterin zu arbeiten – ist dieser Wunsch noch aktuell?

Nein, ist er nicht. Das Thema Ernährung war so lange so präsent in meinem Kopf, ich muss erst wieder mit mir selbst im Reinen sein. Ansonsten gibt es keinen Plan, ich lasse alles total auf mich zukommen, freue mich, das Buch zu präsentieren, und kann mir vorstellen,weitere Bücher zu schreiben.

Germanys next Topmodel ist eine beliebte Show im deutschen Fernsehen und war auch für Sie eine Inspiration zum Modeln. Wie stehen Sie heute zu der Fernsehshow?

Ich habe die letzten Staffeln nicht geschaut, für mich ist das einfach eine Reality-TV-Show. Zwar hat sich die Show ein bisschen verändert – die Modelwohnungen sind nicht mehr ganz so glamourös. Ich kann mir das aber nicht angucken. Es wird eine Welt gezeigt, von der ich weiß, wie sie wirklich ist, und deswegen ist das für mich nicht mehr spannend, regt mich eher auf – weil ich weiß, dass das Gezeigte nicht der Realität entspricht.

Gibt es ein Umdenken in Bezug auf Models in der Modebranche? Wenn ja, haben Sie etwas dazu beigetragen?

Im Moment bekommen Body-Positivity und Curvy-Models mehr Aufmerksamkeit – aber das Problem ist immer noch, dass die Haute-Couture-Designer in Mailand und Paris ganz oben sitzen und die Kleidungsstücke in so einer kleinen Größe nähen. Ganz oben muss sich etwas verändern. Ich will mit meinem Buch dazu beitragen und jungen Mädchen, Jungen und Frauen zeigen, dass es nicht gesund ist, wie Models aussehen. Es ist so wichtig, dass man sich selbst liebt und seinen Körper.

-> Montag, 24. August, 19.30 Uhr, im Hof des Kultur: Haus Dacheröden.

*Dieser Beitrag erschien zuerst in der „Thüringer Allgemeine“ vom 19.08.2020.

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