Erfurter Herbstlese

Es lebe die Erfurter Herbstlese!
Juni 17 2015

Vivien Schötz blickt auf zwölf Monate FSJ Kultur und den ersten Erfurter Diary Slam zurück

Mein Jahr bei der Erfurter Herbstlese

Mag sein, dass in alten Tagebüchern die eine oder andere peinliche Begebenheit vermerkt ist - gar nicht peinlich muss Vivien Schötz der erste Erfurter Diary Slam sein, den sie organisierte und großartig übe die Bühne brachte.
Mag sein, dass in alten Tagebüchern die eine oder andere peinliche Begebenheit vermerkt ist - gar nicht peinlich muss Vivien Schötz der erste Erfurter Diary Slam sein, den sie organisierte und großartig übe die Bühne brachte.

Von Vivien Schötz

Mein Freiwilliges Kulturelles Jahr beim Erfurter Herbstlese Verein geht langsam dem Ende zu. Zeit für einen kleinen Rückblick, was sich in dem Jahr ereignete, wie ich zum FSJ Kultur kam und was ich eigentlich hier gemacht habe.

Vor gut einem Jahr hatte ich mich für ein FSJ Kultur entschieden, weil ich zum einen nicht gleich nach dem Abitur ein Studium beginnen wollte, da mir die genaue Richtung noch unklar war, und zum anderen wollte ich praktische Erfahrungen im Berufsleben sammeln. Dass es dann auch noch bei meiner Wunschstelle, der Herbstlese, geklappt hatte, war umso erfreulicher. Denn schon von klein auf besuchte ich das Literaturfestival ab und zu; ich war recht gespannt, wie alles im Hintergrund abläuft, und was man beim veranstalten von Lesungen alles beachten muss.

Am Anfang meines FSJ im September startete auch gleich die Herbstlese in die Hochsaison. 66 Veranstaltungen hieß es, gut über die Bühne zu bringen. Im Dezember war alles vorüber. Bei den Lesungen war ich meist für die Abendkasse verantwortlich. Aber mein Aufgabenfeld beschränkte sich nicht nur darauf. Normale Büroarbeit, in den Bereichen Organisation, Verwaltung und Öffentlichkeitsarbeit, gehören ebenso dazu wie die Hauptaufgabe: die Leseabende im Herbst und Frühjahr vorzubereiten und durchzuführen. Es gibt immer was zu tun. Ab Januar konzentrierte ich mich vorrangig dann auf mein Projekt, natürlich war ich auch bei der Frühlingslese meist an der Abendkasse anzutreffen.

Lange Zeit wusste ich nicht recht, was ich genau als Projekt machen könnte. Ideen hatte ich viele, aber keine überzeugte mich so richtig. Letztendlich wurde ich auf eine noch nicht so bekannte Slam-Art, einen Diary Slam, aufmerksam. Wie, wann und wo sich das ganze abspielte, habe ich im Folgenden zusammengefasst . . .

Der 1. Erfurter Diary Slam feierte am 24. April 2015 Premiere. Niemand hatte zuvor einen „Tagebuch“ Slam in Thüringen veranstaltet.

Ich begann bereits Ende Januar mit der Planung des Projekts. Zuerst recherchierte ich im Internet nach bereits veranstalteten Diary Slams, und informierte mich bei den Begründerinnen des Diary Slams aus Hamburg, Ella Carina Werner und Nadine Wedel, und auch beim Veranstalter des Augsburger Diary Slams, Horst Thieme. Als Feature war zuerst angedacht, Ella Carina Werner einzuladen. Allerdings habe ich dies am Ende nicht umgesetzt, da es zu hohe Kosten verursacht hätte.

Des Weiteren habe ich mich mit Andreas In der Au vom Highslammer e.V. in Verbindung gesetzt. Der Veranstaltungsort war schnell entschieden. Für diesen Slam wählte ich den Klub „Franz Mehlhose“.

Ich hatte mich mit dem Diary Slam auch beim Wettbewerb „Tatort Kultur“ beworben.

Zu Beginn des Projekts hatte ich Zweifel, ob ich überhaupt genug Vorleser finden würde. Andreas In der Au stellte mir hier ein kleines Starterfeld von „professionellen“ Poetryslammern zusammen, so hatte ich vier Teilnehmer sicher.

Anfang März veröffentlichte ich die Veranstaltung, und der Kartenverkauf startete. Wir hatten dazu einen Newsletter verschickt, dazu die Veranstaltung auf der Herbstlese-Website und auf Facebook veröffentlicht. Dazu liess ich einen Flyer von Jenny Langenhan gestalten und verteilte diesen in ganz Erfurt.

Auch konnte ich in den lokalen Tageszeitungen Werbung machen, und die Veranstaltung wurde als Veranstaltungstipp im Takt Magazin erwähnt sowie im monatlichen Programmflyer von Franz Mehlhose.

Recht schnell meldeten sich einige Tage später die ersten freiwilligen Vorleser.

Ende März war das Starterfeld bereits komplett (insgesamt 9) und die Veranstaltung ausverkauft. Eine bunt gemischte Truppe, darunter auch zwei Männer, aus ganz Deutschland erwartete ich zum Diary Slam.

Eine ausverkaufte Mehlhose erlebte am Tag der Veranstaltung den ersten Erfurter Diary Slam. Wie angedacht, zog der Diary Slam vor allem junges Publikum an.

Ich eröffnete die Veranstaltung und moderierte, unterstützt von Andreas In der Au, den Abend.

Die Slammer traten jeweils in Dreier-Gruppen gegeneinander an, jeweils einer wurde vom Publikum durch Stimmkarten weiter in das Finale gewählt.

Alle hatten sehr eigene Texte. Es ging nicht nur um Peinlichkeiten oder um die erste Liebe; die Texte handelten auch von Fußball oder den Merkwürdigkeiten des WG-Lebens bis hin zu anrührenden Geschichten - wie etwa ein Brief an die verstorbene Oma oder die schlimmen Erfahrungen aus dem Krieg oder der Vertreibung aus der Heimat.

Nach zweieinhalb Stunden war der erste Diary Slam beendet. Die knapp 90-jährige Lydia Kuhnt überzeugte das Publikum mit ihren bewegenden Erinnerungen und gewann den 1. Erfurter Diary Slam.

Die Veranstaltung erntete enormen Zuspruch. Ausreichend viele Teilnehmer für eine Fortsetzung sollten sich finden lassen.

Das Projekt war für mich der krönende Abschluss in meinem FSJ. Es war eine tolle Erfahrung. Vielen Dank an die Sparkassenkulturstiftung, die mein Projekt förderte und auch an die Erfurter Herbstlese, die mir das Projekt überhaupt erst ermöglicht haben.

Das letzte Jahr war eine tolle Erfahrung für mich. Ich habe es nicht bereut, mich für die Herbstlese entschieden zu haben. Auch wenn mich mein Studium jetzt etwas weiter von der Literatur weg bringt, wird das FSJ immer einen besonderen Platz in meinem Lebenslauf einnehmen. Ich kann ein Freiwilliges Soziales Jahr Kultur nur aus tiefstem Herzen empfehlen – am besten natürlich bei der Erfurter Herbstlese.

Tschüß und alles Liebe,

Vivien

Vivien und der erste Erfurter Diary Slam

Fotos: Herbstlese

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