Erfurter Herbstlese

Es lebe die Erfurter Herbstlese!
Nov. 18 2015

„Mein Weg zu den Sternen“ im Atrium der Stadtwerke

Zu Gast bei Lea Linster

Lea Linster ist auch am Ende eines langen Abends noch immer bestens gelaunt.
Lea Linster ist auch am Ende eines langen Abends noch immer bestens gelaunt.

Lea Linster hat viele Talente. Dass die Luxemburgerin zu den besten Köchinnen in Europa zählt, liegt auf der Hand. Nicht nur, weil sie als einzige Frau bisher überhaupt die inoffizielle Weltmeisterschaft ihres Berufsstandes, den Bocuse d’Or, gewinnen konnte, sondern auch, weil ihr Restaurant seit 1987 durchweg im Guide Michelin mit einem Stern verzeichnet ist. Dazu ist sie eine großartige Entertainerin, die sich schlagfertig und mit Witz in Szene zu setzen weiß. So kontert sie den „Koch der Köche“ Paul Bocuse, der kurz vor ihrem WM-Sieg 1989 meinte, „Frauen gehören nicht in die Küche, sie gehören ins Schlafzimmer“ mit den trockenen Worten: „Dann stellen wir den Herd eben ins Schlafzimmer!“

Doch an der 60jährigen Mutter eines Sohnes ist auch eine Kalligraphin verloren gegangen. Das beweist sie nach ihrem Auftritt im Atrium der Stadtwerke eindrucksvoll. Eine gute Stunde sitzt sie danach noch am Tisch und, signiert ihre Bücher.

Doch „signieren“ ist dabei reichlich untertrieben. Mit viel Liebe zaubert sie kleine Kunstwerke aufs Papier; schwungvolle Wünsche, mit einem Spezialstift mehr gemalt als geschrieben, dazu ein Herz und final mit ihrem Namen besiegelt. Eine Dame, die für eine Freundin „Frohe Weihnachten“ notieren lässt, bekommt noch ein paar Sterne obendrauf. Dazwischen und beim Schreiben ist immer noch Zeit für einen kurzen Plausch. Für ein Foto mit ihren Gästen sowieso.

Ihre Gäste. Das sagt sich so. Doch Lea Linster hat die Gabe, den Menschen vor sich das Gefühl zu schenken, jetzt dreht sich die Welt nur um sie. So lange sie nur bei ihr sitzen, egal ob im Restaurant in der luxemburgischen Heimat oder eben hier in Reihe 12 im Atrium der Stadtwerke, sind sie das Wichtigste auf der Welt. Kunden? Das Wort findet sie unanständig. Gäste, das Wort bringt es auf den Punkt. Die wollen, die sollen verwöhnt werden. Und wenn nicht Gaumen und Zunge, dann eben die Ohren.

So geizt die charmante Dame nicht mit Komplimenten für ihr Publikum. Das wird langsam trunken ob all der Zuwendung, vorgetragen mit diesem vergnüglichen Akzent, und immer wieder unterbrochen von einem Lachen, das an eine Urgewalt erinnert.

Gut, dass Lea Linster nicht allein auf dem Podium sitzt. René Kindermann ist für eine gute Stunde der Mann an ihrer Seite. Der Sportredakteur des MDR und Gastgeber im „Riverboat“ des Senders hält den Abend auf Kurs. Mit klugen Stichworten bringt er die amüsante Unterhaltung voran, greift mit leichter Hand ein, wenn Frau Linster sich zu verplaudern droht und ist so, alles in allem, der Gentleman, der die Frau neben sich noch besser aussehen lässt.

Er ist es auch, der die Zeit im Auge hat, die Dramaturgie des Abends. Der hält zwei Passagen aus „Mein Weg zu den Sternen bereit“, den die Sterneköchin selbst vorträgt. Es ist ein Genuss, auch wenn sich jetzt die Begeisterung für den knuffigen Akzent wiederholt. Bestimmt hat der eine oder andere der wenigen Herren im Saal bei diesem Hörgenuss die Augen geschlossen . . .

Nach gut 60 unterhaltsamen Minuten ist zunächst Schluss. Es gibt die obligatorischen Schoko-Trüffel, die gleich verkostet und für sehr gut befunden werden. Das Publikum darf sich noch einmal anhören, wie toll es ist. Und der Beifall in Erfurt erst ­– so einen will Lea Linster ja noch nie erlebt haben. Dann lacht sie wieder und geht zum Tisch neben den Bühne. Jetzt schlägt die Stunde der Kalligraphin.

Lea Linster im Atrium der Stadtwerke

Fotos: Holger John

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