VORFREUDE AUF DIE SOMMERBÜHNE 2026

Terminhinweis
today Dienstag, 26.05.2026
In diesem Jahr sind unter anderem Susanne Fröhlich, Bettina Tietjen, Jaroslav Rudiš und Jutta Speidel auf der Sommerbühne zu Gast. Den Auftakt gestaltet die Jazzlegende Laco Deczi mit seiner Band. (Fotos: Gaby Gerster, Sebastian Fuchs, Nils Schwarz und Vojtěch Veškrna)

Mit einem Konzert des legendären Jazz-Trompeters Laco Deczi und seiner Band „Celula New York“ startet am 26. Mai die Sommerbühne im Erfurter Kultur: Haus Dacheröden in ihre neue Saison. Bis zum 30. August darf sich das Publikum auf insgesamt 30 Veranstaltungen in einer abwechslungsreichen Mischung aus Literatur, Musik und interaktiven Formaten freuen. Neben klassischen Lesungen und Konzerten stehen auch Abende mit kulinarischen Überraschungen sowie ein Pen-&-Paper-Abend, der in fantastische Spielewelten entführt, auf dem Plan. Zu den weiteren Höhepunkten zählt sicher auch die Buchpremiere von Susanne Fröhlich mit ihrem neuen Werk „Blümerant“. Darüber hinaus prägen bekannte Gäste wie Bettina Tietjen, Jaroslav Rudiš, Jutta Speidel sowie der Musiker TEX das Programm der diesjährigen Sommerbühne.

Auch bewährte Formate kehren zurück: Der Erfurter Songslam sowie die Flamenco-Show sind erneut Teil des Programms. Ergänzt wird das Angebot durch das beliebte monatliche Tablequiz als Mitmachformat. Neu im Programm ist in diesem Jahr ein Stummfilmabend, bei dem „Küspert & Kollegen“ einen Film live vertonen – in Kooperation mit dem Jazzclub Erfurt entsteht so ein besonderer Abend zwischen Kino, Konzert und Improvisation.

Das Eröffnungskonzert ist zugleich in einen größeren historischen Kontext eingebettet: Das Thema des Jazzabends geht auf die Rede „Sinews of Peace“ zurück, die Winston Churchill im März 1946 hielt. Mit dem Bild des „Eisernen Vorhangs“ beschrieb er nicht nur eine geopolitische Zäsur, sondern auch eine kulturelle Trennlinie: Während sich im Westen neue Ausdrucksformen wie der Bebop frei entfalten konnten, entwickelte sich Jazz im Osten unter deutlich restriktiveren Bedingungen im Spannungsfeld von staatlicher Kontrolle, ideologischer Skepsis und subkultureller Beharrlichkeit.

Diese Differenz zeigt eine Szene aus „On the Road“ von Jack Kerouac: Ein Trompeter „bläst sein Horn, als hinge sein ganzes Leben daran“. In dieser Verdichtung wird Jazz zum Inbegriff radikaler Gegenwärtigkeit – spontan, exzessiv und frei. Für den Autor und die Beat Generation steht der Jazzmusiker für ein Lebensideal jenseits gesellschaftlicher Normierung: Kunst als unmittelbarer Ausdruck von Existenz und individueller Freiheit.

Demgegenüber war das musikalische Leben in Ländern wie der Tschechoslowakei von strukturellen Begrenzungen geprägt. Jazzkapellen mussten sich mit eingeschränkten Auftrittsmöglichkeiten, institutionellen Hürden und ideologischen Vorbehalten auseinandersetzen. Zugleich entstand unter diesen Bedingungen eine eigenständige Szene, in der Jazz nicht nur als Musik, sondern auch als Ausdruck von Individualität und – mal leiser, mal lauter – Opposition verstanden wurde.

Ein prägnantes Beispiel dafür ist Laco Deczi. Der Wegbereiter des Hardbop in der Tschechoslowakei prägte seit den 1960er-Jahren die Entwicklung des Jazz maßgeblich. Mit Gründung seines Ensembles „Jazz Celula“ etablierte er einen eigenständigen künstlerischen Ausdruck, der sich trotz nicht immer günstigen politischen Rahmenbedingungen behauptete. Seine Emigration in die USA im Jahr 1985 markiert zugleich den Übergang von einem eingeschränkten zu einem offeneren künstlerischen Raum, ohne dass die Erfahrungen des Musikschaffens im Sozialismus an Bedeutung verloren.

Vor diesem Hintergrund wird Jazz zu einer besonders vielschichtigen Ausdrucksform: Während der Trompeter bei Kerouac spielt, als gäbe es keine Grenzen, spielt der Trompeter im Osten unter Bedingungen, die Grenzen setzen – und gewinnt gerade daraus eine eigene Intensität. In dieser Gegenüberstellung zeigt sich Jazz als globales Medium künstlerischer Freiheit, dessen Ausdrucksformen stets auch von den jeweiligen gesellschaftlichen und politischen Kontexten geprägt sind.

Das Jazzkonzert wird in Zusammenarbeit mit der Universität Erfurt, dem Fachbereich Jazz Studies an der Universität Memphis (USA), dem Erfurt Jazz Project, dem Jazzclub Erfurt, KuNo (Kultur im Norden Erfurts), den Thüringer Schlosskonzerten sowie weiteren Kultureinrichtungen in Erfurt und Thüringen realisiert.

Sommerbühne 2026
Hof im Kultur: Haus Dacheröden
vom 26. Mai bis zum 30. August
99084 Erfurt, Anger 37

Tickets und Informationen, auch zu den Öffnungszeiten der Geschäftsstelle und den laufenden Ausstellungen, sind zu finden unter dacheroeden.de