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Nov. 24 2020

Gespräch zum Abschied aus dem Kultur: Haus Dacheröden mit Johanna Bastian

„Es zieht mich zurück zur Musik“

Johanna Bastian mit der Geigerin Stephanie Appelhans beim 1:1 Concert direkt neben dem "Liederbaum"
Johanna Bastian mit der Geigerin Stephanie Appelhans beim 1:1 Concert direkt neben dem "Liederbaum"

Seit Jahresbeginn war Johanna Bastian Geschäftsführerin im Kultur: Haus Dacheröden. Im November verabschiedet sich die studierte Violinistin und Musikvermittlerin wieder. Sie habe sich in all den administrativen und verwalterischen Aufgaben und Konflikten zu unwohl gefühlt, erklärt sie ihre Entscheidung. Sehr zum Bedauern ihres Teams, hatte die 31-Jährige doch selbst unter den Einschränkungen der Corona-Pandemie für viele schöne Weichenstellungen gesorgt. Nicht nur in den von ihr entwickelten Formaten wie „WELT: Musik“, „Wenn jemand eine Reise tut“, „Der Liederbaum“ oder „Zwischen Tür & Anger“ wird die Erinnerung an die Zeit von Johanna Bastian in der Thüringer Landeshauptstadt lebendig bleiben.

 

Weniger als nach einem Jahr verlassen Sie Erfurt und das Kultur: Haus Dacheröden wieder. Was hat nicht gepasst?

Schlicht das Bauchgefühl, das sich aus ganz unterschiedlichen, auch persönlichen Faktoren zusammensetzt. Ich hatte mich sehr auf die künstlerische, programmatische Arbeit im Kultur: Haus Dacheröden gefreut. Dass es damit als Geschäftsführerin nicht getan ist, war mir bewusst – aber nicht, dass ich mich in all den administrativen, verwalterischen Aufgaben und Konflikten so unwohl fühlen würde.

Das Corona-Geschehen trifft die Kultur wie die Veranstaltungsbranche hart. Waren die Einschränkungen in Zeiten der Pandemie ein Grund dafür zu gehen?

Nein. Vielleicht haben sie die Entscheidung beschleunigt, aber nicht verursacht.

Auf welche Erfahrungen im Kultur: Haus Dacheröden hätten Sie gern verzichtet? Woran werden Sie sich mit Freude erinnern?

Ich bin tollen Menschen begegnet und war mit Projekten und Ideen konfrontiert, die sehr Augen öffnend waren. Besonders beeindruckt haben mich die „Omas gegen rechts“ und Lutz Götze, mit dem ich nach dem Literarischen Salon über seine berührendsten Konzerterlebnisse sprechen konnte. Und die ehrenamtlichen Helfer, die eine unheimliche Bereicherung sind!

Es gab natürlich Erfahrungen, auf die ich in dem Moment selbst gern verzichtet hätte – rückblickend aber nicht ...

Welche Projekte haben Sie angeschoben, welche Ideen werden noch realisiert? Wo sehen Sie das Kultur: Haus Dacheröden in fünf, in zehn Jahren?

Mein Herzensprojekt war der Liederbaum im Innenhof, der leider durch Corona noch nicht eingeweiht werden konnte. Früher war die Linde ein wichtiger Treffpunkt, um sich Geschichten zu erzählen und gemeinsam zu singen. So einen Ort wollte ich im Kultur: Haus Dacheröden auch – im Winter mit Feuerschale, im Sommer mit kreidemalenden Kindern.

Ich persönlich sehne mich nach Orten, die unaufgeregt und warm sind; Orte, die zum Beisammensein einladen, die vertraut sind. Das wünsche ich mir auch für das Kultur: Haus Dacheröden.

Eines meiner liebsten Projekte als Musikvermittlerin kommt aus Schweden: Dort werden nach dem klassischen Konzert Bierbankgarnituren im Konzertfoyer aufgestellt, mit einem Topf Pasta drauf - eine Einladung zum gemeinsamen Essen und Erzählen nach dem Konzerterlebnis. So etwas finde ich toll!

Ein Ausgangspunkt für solche Tafeln im Kultur: Haus Dacheröden könnten vielleicht die neuen Reihen „WELT: Musik“, „Wenn jemand eine Reise tut“, „Der Liederbaum“ oder „Zwischen Tür & Anger“ sein, die ich im letzten halben Jahr angestoßen habe… Und einen Wickeltisch gibt es nun auch!

Wo zieht es Sie jetzt hin?

Zurück zur Musik.

Liebe Johanna, für Ihren weiteren Lebensweg wünschen wir Ihnen alles erdenklich Gute. 

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