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Erfurter Herbstlese
Es lebe die Erfurter Herbstlese!
Juli 05 2024

Die Sommerbühne erwartet feine Unterhaltung mit Krohn & Scheck

Kafka auf der Sommerbühne und bei der Herbstlese

Anne-Dore Krohn und Denis Scheck (Foto: Nikola Richter)
Anne-Dore Krohn und Denis Scheck (Foto: Nikola Richter)

Sie tun es wieder. Am 12. Juli sind die Literaturkritikerin Anne-Dore Krohn und ihr Kollege Denis Scheck erneut in Erfurt zu erleben. Wie vor vier Jahren laden beide in den Hof im Kultur: Haus Dacheröden ein. Vor vier Jahren, als die beiden en passant die Tradition der Sommerbühne begründeten, stand Friedrich Hölderlin gelegentlich seines 250. Geburtstages im Mittelpunkt einer literarischen Andacht. Das seltene Format war der Corona-Zeit auf dem Höhepunkt ihrer Einschränkungen geschuldet, die eine Ansammlung von Menschen nur unter freiem Himmel und in Ausübung ihres Glaubens erlaubten. Der Evangelische Kirchenkreis half mit seinem guten Namen, Senior Matthias Rein führte in das Geschehen ein und Krohn & Scheck sorgten im Schutz des Herbstlese-Garten-Pavillons für angemessene Unterhaltung beim zahlenmäßig gerade noch so erlaubten Publikum.

Jetzt ist, natürlich, alles anders. Den Hof überspannen vier große Schirme, die unabhängig von fast jedem Wetter machen. Die Bühne muss den strengen Blick der Prüfingenieure nicht scheuen, die Stühle reichen wohl für alle Interessierten, denen zudem neben intellektuellen Köstlichkeiten auch Drinks an der Hofbar gereicht werden. Und: Es geht nicht um Hölderlin, sondern um Franz Kafka und einen Jahrestag; seinen 100. Todestag.

Auch wenn der Anlass also ein, durch die Jahrhundertfrist zwar abgemilderter, doch nichtsdestotrotz trauriger ist, versprechen die Kritikerin und ihr Flügelmann alles andere als Pathos. Im Gegenteil, sie feiern Franz Kafka, das Jahrhundertgenie, mit einer Revue.

So geht es um ein T-Shirt, gesehen in New York, mit einem Kafka-Portrait und der Aufschrift: „Kafka didn't have a lot of fun, either.“ Aber stimmt das denn? Wussten Sie, dass es Franz Kafka war, der den Anrufbeantworter erfunden hat? Und zusammen mit seinem Freund Max Brod eine Buchreihe konzipierte, die so etwas wie der „Lonely Planet“-Reiseführer seiner Zeit war? Kafkas größte Stärke: der verblüffende Perspektivwechsel, das heißt seine Fähigkeit, die Welt erst aus der Sicht einer Katze und im nächsten Moment aus den Augen einer Maus zu betrachten. Das sind nur einige der weniger bekannten Facetten Kafkas, die Anne-Dore Krohn und Denis Scheck in ihrer „Kafka-Revue“ thematisieren wollen.

Doch damit ist der Kafka-Festspiele noch nicht genug. Nachdem Rüdiger Safranski den Reigen in der Kaufmannskirche mit seinem Buch „Kafka. Um sein Leben schreiben“ begonnen hat, steht nach der Revue zunächst noch im Rahmen der Reihe „Erlesene Filme – Kino im Salon“ Michael Hanekes „Das Schloss“ auf dem Dacheröden-Programm. Der Österreicher besetzte in seiner Adaption des Stoffes aus dem Jahr 1997 unter anderem die unvergessenen Ulrich Mühe und Susanne Lothar als Landvermesser K. und seine Frieda.

Eine dezidierte Meinung zu Kafka hat auch Herbstlese-Liebling Sven Regener. Auf der Website des Musikers und Schriftstellers ist zu lesen: „2024 jährt sich Franz Kafkas Todestag zum einhundertsten Mal, und wenn es auch ein bisschen nekrophil anmuten mag, so was zu begehen, so ist es doch guter Brauch und was bei Wilhelm Röntgen, Marcel Proust und dem Kaiser Franz Joseph I. okay war, ist bei Franz Kafka erst recht in Ordnung, denn er war ein ganz Großer und man sollte ihn feiern, wie, wo und wann immer man kann!“

Das macht der Herr Regener dann auch als Gast von Thüringens wichtigstem Literaturfestival, auf, na klar, seine ganze eigene Weise. Am 10. Oktober ist er in der Erfurter Zentralheize zu erleben. Als Vorleser. Warum Kafka nicht einmal anders lesen, fragt er sich. Ohne allzu große interpretatorische Ambitionen und ohne immerzu das Rätsel, das wir in den Texten Kafkas vermuten, lösen zu wollen. „Amerika“ ist für ihn dazu ein guter Einstieg, denn: „Man kann das Buch auch als Abenteuerroman lesen, als eine gute Geschichte, wo man wissen will, wie es weitergeht. Und es geht immer weiter, weil Karl Roßmann ein wackerer Held ist, der alles Mögliche tut, bloß nicht lockerlassen.“

Die Sommerbühne im Kultur: Haus Dacheröden
präsentiert ein Open Air SWE-Special

„Die Kafka-Revue“
mit Anne-Dore Krohn und Denis Scheck

Freitag, 12. Juli 2024, 19:30 Uhr
Kultur: Haus Dacheröden / Hof, Anger 37, 99084 Erfurt
Eintritt 16,00 Euro, ermäßigt 14,00 Euro im Vorverkauf
18,00 Euro, ermäßigt 16,00 Euro an der Abendkasse

In der Reihe „Erlesene Filme“
zeigt das Kino im Salon

„Das Schloss“
von Michael Haneke (Regie) nach dem
gleichnamigen Roman von Franz Kafka

Mittwoch, 17. Juli 2024, 19:30 Uhr
Kultur: Haus Dacheröden, Anger 37, 99084 Erfurt
Eintritt 8,00 Euro im Vorverkauf und 10,00 Euro an der Abendkasse
Gefördert durch die Thüringer Staatskanzlei

Die Erfurter Herbstlese präsentiert

„Amerika“ von Franz Kafka
gelesen von Sven Regener

Donnerstag, 10. Oktober 2024, 19:30 Uhr
Zentralheize, Maximilian-Welsch-Straße 6, 99084 Erfurt
Eintritt 22,00 Euro, ermäßigt 20,00 Euro im Vorverkauf
24,00 Euro, ermäßigt 22,00 Euro an der Abendkasse


Karten können erworben werden im Kultur: Haus Dacheröden, bei Hugendubel am Anger und im Thüringen Park sowie bei allen VVK-Stellen des Ticketshop Thüringen, im Internet über dacheroeden.de und ticketshop-thueringen.de.

 

 

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