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Erfurter Herbstlese
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Okt. 10 2019

Das Kultur: Haus Dacheröden im aktuellen „hEFt für literatur, stadt und alltag"

Ein Haus für die Kultur

Dirk Löhr spricht über die zukünftigen Pläne für das Kultur: Haus Dacheröden. (Foto: Kathleen Kröger)
Dirk Löhr spricht über die zukünftigen Pläne für das Kultur: Haus Dacheröden. (Foto: Kathleen Kröger)

Von Marlene Borchers (*)

Schon seit über zwei Jahren befindet sich das Kultur: Haus Dacheröden in der Hand des Herbstlese-Vereins. Marlene Borchers vom „hEFt für literatur, stadt und alltag" sprach mit  Dirk Löhr über die vergangenen Erfahrungen, die Herbstlese und die zukünftigen Pläne für das Haus. „Inhaltlich ist unser Konzept voll aufgegangen: wir haben literarische Veranstaltungen, Kinovorstellun­gen und vieles mehr. Das Echo, das wir bisher bekommen haben, ist sehr positiv, auch wenn man als Verein immer im Blick hat, was man gerne noch schaffen würde", sagte ihr der Vereinsvorsitzende.

Seit zwei Jahren betreibt der Herbstlese-Verein das Haus Dacheröden. Vor anderthalb Jahren haben wir bereits über den Betrieb gesprochen. Welche Hürden mussten seitdem genommen werden und welche liegen noch vor Ihnen?

Dirk Löhr: Ein Problem, vor dem wohl alle kulturellen Einrichtungen stehen ist, dass man Leute braucht, die sich engagieren und sich als Mitarbeiter einbringen. Gerade bei einer so kreativen Tätigkeit wie der Arbeit hier im Haus, wo viel mit Büchern, Ausstellungen und anderen kulturellen Themen gearbeitet wird, hat man seine Arbeit zudem ständig bei sich und muss dementsprechend Interesse dafür mitbrin­gen. Allein die Architektur des Gebäudes stellt uns hier vor eine Herausforderung: unser Anspruch ist, beide Etagen stets offen zu halten, eine Ausstellung laufen zu haben und zudem noch Abendveranstaltungen auszurichten. Sowas muss ge­plant und durchgeführt werden, dafür braucht man die rich­tigen Leute – und genug von ihnen. Gerade in der Festivalzeit stellt uns das vor einige Herausforderungen, denn da muss von morgens bis in die Nacht gearbeitet werden. Außerdem müssen die Mitarbeiter natürlich auch alle bezahlt werden. Ein selbstausbeuterisches Prinzip soll hier nicht etabliert wer­den. Engagement ist zwar wichtig, aber man kann auch nicht erwarten, dass die Personen alle unbezahlt arbeiten. Bei grö­ßeren Veranstaltungen wie der Fête de la musique oder der Langen Nacht der Museen waren wir selbst überrascht, wie viele Besucher da waren. Da braucht man die besagten rich­tigen Leute, mit welchen sowas realisierbar wird. Aber letzt­endlich gibt es gerade in der Kulturszene genug Personen, die sich gerne einbringen und die beispielsweise auch bereit sind, nach der eigentlichen Arbeit noch mit einem Autor bei einem Glas Wein zusammenzusitzen. Einerseits bringt ein altehrwürdiges Haus wie das Haus Dacheröden eine große Verpflichtung mit sich, aber auch eine Menge Spaß. Der darf im Endeffekt nicht zu kurz kommen und ich denke, bisher haben wir da einen ganz guten Mittelweg gefunden.

An welche Zielgruppe richtet sich das Angebot des Hauses vordergründig?

Die Hauptzielgruppe sind die Erfurter und ihre Gäste. Wir versuchen, möglichst viele unterschiedliche Angebote im Programm zu haben: wir haben anspruchsvollere Ver­anstaltungen wie z.B. unsere Lyrikreihe, bei der ein dement­sprechend kleineres Publikum kommt, aber auch populäre Dinge, wie zum Beispiel unsere Lesung mit Uschi Brüning. Solche Veranstaltungen sind dann natürlich immer schnell ausverkauft. Abendveranstaltungen wie das Tablequiz, das im Mai das erste Mal stattfand, soll eher ein jüngeres, mo­bileres Publikum ansprechen, wobei natürlich auch ältere Gäste willkommen sind. Wir arbeiten außerdem mit Kinder­gärten und Schulen zusammen, wodurch wir ein ganz junges Publikum bekommen. Zusammenarbeiten, wie die mit der Zentralklinik in Bad Berka, sprechen dagegen wieder eine sehr durchmischte Gruppe an, da dies Themen aus dem All­tag sind, die jeden betreffen können. Ich denke, mit unserem doch sehr vielfältigen Programm wird das ganze Spektrum angesprochen.

Können auch eigene Ideen eingebracht werden?

Sicher. Wir wollen auch dem Nachwuchs eine regelmä­ßige Bühne bieten. Bei Veranstaltungen wie dem Thüringer Diary Slam gibt es eine offene Bühne und dadurch viele junge Künstler, die frische Texte mitbringen. Solche Veranstaltun­gen verteilen wir dann in ganz Erfurt, damit wir viele Leute damit erreichen. So waren wir zum Beispiel schon in der Frau Korte oder in der Mehlhose. Man kann sich als Externer auch in unsere Räumlichkeiten einmieten. Es sind schon einige Leute an uns herangetreten, um eigene Ideen einzubringen und zu verwirklichen. Das soll natürlich auch weiterhin mög­lich sein.

Welche Ziele wurden bereits realisiert und welche sollen noch erreicht werden?

Inhaltlich ist unser Konzept voll aufgegangen: wir haben Ausstellungen, literarische Veranstaltungen, Kinovorstellun­gen und vieles mehr. Das Echo, das wir bisher bekommen haben, ist sehr positiv, auch wenn man als Verein immer im Blick hat, was man gerne noch schaffen würde. Unser Roa­ring-Twenties-Tanzabend war ein großer Erfolg – daran an­knüpfend könnten wir uns für die Zukunft zum Beispiel noch einen Literaturball vorstellen. Es gibt also einige Ideen für die Zukunft.

Die nächste Herbstlese geht am 21. September in ihre 23. Saison. Wie sieht das Programm aus?

Das aktuelle Motto „Träume sind Schäume?" spie­gelt unsere aktuelle Lage recht gut wider: der Traum vom Haus Dacheröden als Platz für Kultur und Literatur ist 7 aufgegangen. 73 Veranstaltungen sind geplant, 34 davon wer­den bei uns im Haus stattfinden. Das Programm wird wieder sehr durchmischt sein; wir haben politische Angebote, Lyrik, Romanlesungen sowie ein Angebot, das sich an Kinder und Jugendliche richtet. Wir haben einige sehr bekannte Litera­ten im Programm, die auch atmosphärisch sehr gut in unser Haus passen. Rolf Seelmann-Eggebert beispielsweise, der vor allem durch seine Erklärungen der Königshäuser bekannt ist – wobei wir hier natürlich wieder abwägen müssen, wie wir das Problem mit der allzu großen Nachfrage lösen. Bei einem kleineren Raum ist die Atmosphäre wesentlich intensiver, allerdings möchten wir natürlich auch nicht den hundert zusätzlichen Menschen, die auch Interesse haben, die Teil­nahme verweigern. Dann müssen wir überlegen, ob wir ins deutlich größere Ratsgymnasium umziehen, oder ob wir eine Videoübertragung organisieren, damit die angenehme At­mosphäre des Hauses erhalten bleibt und dennoch die Nach­frage erfüllt werden kann.

Laufen die regelmäßig stattfindenden Veranstaltungsrei­hen während der Herbstlesezeit weiter?

Wir versuchen, die Veranstaltungen miteinander zu ver­zahnen. Unsere Serien werden demnach in das Herbstlese­programm übernommen. „Mein Lieblingsbuch" oder auch die während der Herbstlese startende Lyrikreihe „Die Gunst des Augenblicks" passen wunderbar zu dem von uns geplan­ten Programm. Die Herbstlese geht also mit unseren regulä­ren Veranstaltungsreihen Hand in Hand.

Irgendwelche letzten Worte?

Das Leben ist schön!

Vielen Dank für das Interview.

(*) Dieser Beitrag erschien zum ersten Mal im „hEFt für literatur, stadt und alltag“ Nr. 57 im Oktober 2019.

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