Erfurter Herbstlese

Es lebe die Erfurter Herbstlese!
März 30 2014

Das ist mein Abend, und Sie gehören mir!

Ben Becker im Theater Erfurt. Fotos: Holger John / viadata
Ben Becker im Theater Erfurt. Fotos: Holger John / viadata

 "Das ist mein Abend, und Sie gehören mir!" - Ben Becker hätte die Türen des Großen Saales im Theater Erfurt ruhig verschließen lassen können, wie er es scherzhaft androhte, denn keiner im Publikum wollte fliehen. Im Gegenteil, die gut zwei Stunden Programm des Schauspielers und Vortragskünstlers zusammen mit dem Pianisten Yoyo Röhm am Samstagabend schlugen die Gäste der "Frühlingslese"-Veranstaltung in den Bann.

 

Ben Becker ist anders, das merkte man gleich zu Beginn, als er nach dem "Erlkönig" und dem "Heideknaben" zu plaudern begann, und sich freute, mal wieder in Erfurt aufzutreten. Er mag die Stadt, auch wenn er sich am Nachmittag in der Sonne nahe der Krämerbrücke angeblich eindeutig-zweideutiger Avancen erwehren musste. Das ist die Becker'sche Art der Liebeserklärung an Erfurt.

 

Auch seine eigenwillige Form, große Gedichte und Balladen der Weltliteratur vorzutragen und zu interpretieren, stoße manchmal auf Kritik, erzählte er: "Sie immer mit Ihrem Pathos!" Aber genau das ist seine Stärke. Er lässt seinen Gefühlen freien Lauf, er spielt, er sucht den heftigen Ausdruck und bedient dabei die ganze Klaviatur: vom tiefen Schmerz über den kraftvollen Ton bis hin zum feinen Witz, zum Schelmischen.

 

Nach seinen großen Leseprogrammen wie etwa dem zur Bibel wollte Ben Becker etwas Kleineres, Intimeres machen und erinnerte sich an das Weihnachten seiner Kindheit. Im Hause von Otto Sander, seinem Stiefvater, kamen zum Fest viele Freunde und Kollegen zusammen, es wurde gesungen und rezitiert, und zwar aus dem "Ewigen Brunnen", diesem schönen Lyrik-Hausbuch, das nun auch Ben Becker als Quelle für sein gleichnamiges Programm diente. Als er die Geschichten von Otto Sander, seinem "alten Herrn", erzählte, wurde klar, dass der Abend auch eine Hommage an diesen großen Schauspieler ist, der im letzten Jahr verstarb. Der "John Maynard" von Theodor Fontane, den Ben Becker so oft von seinem Vater vorgetragen hörte, wurde denn auch zu einem der Höhepunkte des Abends.

 

Es gab eine lange Zugabe und ganz zum Schluss standing ovations. Ben Becker mag Erfurt - und das Erfurter Publikum ihn.

Fotos: Holger John / viadata

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