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Erfurter Herbstlese
Es lebe die Erfurter Herbstlese!
Feb. 08 2022

Ein Gespräch über das Hin und Her in der Pandemie

Frühlingslese mit sieben Terminen

Monika Rettig und Juliane Güttler hoffen wenigstens auf eine Frühlingslese light.
Monika Rettig und Juliane Güttler hoffen wenigstens auf eine Frühlingslese light.

Nach dem Totalausfall im vorigen Jahr können sich die Erfurter 2022 wieder auf ein literarisches Festival in der ersten Jahreshälfte freuen. Aber in einem deutlich kleineren Format. Aktuell sind sieben Veranstaltungen im März, April und Mai geplant. Herbstlese-Programmchefin Monika Rettig und Dacheröden-Geschäftsleitung Juliane Güttler im Gespräch mit dem Journalisten Dirk Löhr über das Hin und Her in der Pandemie, die kleine Frühlingslese 2022 und die geplante Ausstellung "HIDDEN - Das Leid der Tiere" im Kultur: Haus Dacheröden.

In ganz Thüringen wie in der Stadt Erfurt sind Lockerungen der Corona-Einschränkungen in Sicht. Wann schalten Herbstlese und Kultur: Haus Dacheröden wieder auf den Normalbetrieb um?

Güttler: Eine gute Frage. Das einzige, was seit Ausbruch der Pandemie sicher ist, ist die Unsicherheit. Jede zarte Hoffnung auf Öffnung und Rückkehr zur Normalität musste einer neuerlichen Verschärfung der Regeln weichen. Das Hin und Her macht das Planen schwer. Viele Mitarbeitende sind trotz oder wegen der Kurzarbeit erschöpft.

Rettig: Zudem kommen die Lockerungen wieder zu Beginn eines erwarteten Anstiegs der Inzidenz. Auch wenn die Omikron-Variante weniger gefährlich erscheint, bereitet die schnelle Ausbreitung des Virus doch Sorgen. Von Normalität kann weder für die Veranstalter noch für die Gäste – die unsere Angebote ja auch nutzen müssen – die Rede sein.

Was bedeutet das konkret?

Güttler: Wir konzentrieren uns auf das Machbare. Im Kultur: Haus Dacheröden läuft aktuell unser Zeichenkurs mit dem Künstler Johannes Gräbner. Auch das Kreative Schreiben mit Anke Engelmann findet statt – beides mit einer begrenzten Teilnehmerzahl von maximal 15 Personen. Dazu wollen wir zweimal im Monat zum beliebten Bilderbuch-Kino einladen. Die Vortragsreihe mit der Verbraucherzentrale gibt es im digitalen Format.

Rettig: Alle größeren Lesungen haben wir bis Anfang März abgesagt. Die Geschäftsstelle bleibt ebenso lange geschlossen.

Aber wäre denn nicht auch wieder eine Ausstellung möglich?

Güttler: Im Zuge der Genehmigung der Banksy-Ausstellung hatte die Stadt auch uns Lockerungen in Aussicht gestellt, die in der Realität aber an aktualisierten Forderungen seitens des Gesundheitsamtes scheiterten. Wir wollen den Mitarbeitenden dort keine Vorwürfe machen, aber uns blieb nur, schweren Herzens unsere Ausstellung „HIDDEN – Das Leid der Tiere“ vorerst abzusagen.

Gibt es bereits einen Ausweichtermin?

Güttler: Den gibt es, wir planen die Ausstellungseröffnung nun für den 2. März. Passend zum Tag des Artenschutzes am 3. März soll auch die Vorstellung des Buches „Von Okapi, Scharnierschildkröte und Schnilch: Ein prekäres Bestiarium“ von Heiko Werning und Ulrike Sterblich über die Bühne gehen.

Vielleicht sagen Sie etwas zur Ausstellung …

Güttler: Für das Projekt „HIDDEN – Das Leid der Tiere“ haben sich 40 Fotografinnen und Fotografen zusammengeschlossen, darunter einige der bekanntesten Wildlife-Künstlerinnen und Künstler der Welt. Mit ihren Aufnahmen möchten sie ein größeres Bewusstsein für die oft unwürdigen Lebensumstände von Tieren schaffen. Die Ausstellung ist eine Kooperation zwischen BREHMS WELT - Tiere und Menschen und dem Kultur: Haus Dacheröden.

Eine Lesung haben Sie bereits genannt. Aber was ist mit der traditionellen Frühlingslese? Fällt sie wie im vergangenen Jahr dem Virus zum Opfer?

Rettig: Es wird eine Frühlingslese geben, aber in einem deutlich kleineren Format. Aktuell sind sieben Veranstaltungen im März, April und Mai geplant. Dabei machen wir auch in einem neuen spannenden Veranstaltungsort Station – in der restaurierten Kaufmannskirche. Gleich drei Mal können wir dort zu Gast sein und freuen uns auf die langfristig angelegte Kooperation mit der Kaufmänner Gesellschaft.

Auf wen können sich die Literaturfreunde denn freuen?

Rettig: Der Schwede Arne Dahl, einer der weltweit erfolgreichsten Kriminalautoren, kommt am 19. März und liest in der Buchhandlung Hugendubel. Die frühere „heute“-Moderatorin Petra Gerster ist zusammen mit ihrem Mann Christian Nürnberger am 23. März in der Kaufmannskirche zu Gast. An gleicher Stelle ist am 30. März auch Stefan Aust zu erleben. Am 7. April löst der Sieger des Debütantensalons 2021, Björn Stephan, mit seinem Erstling „Nur vom Weltraum aus ist die Erde blau“ seinen Gewinn, eine Solo-Lesung, bei Hugendubel ein. Der dritte Termin bei den Kaufmännern ist am 5. Mai dem Astrophysiker Heino Falcke vorbehalten …

Güttler: … ohne dass die zwei Lesungen im Kultur: Haus Dacheröden vergessen werden dürften. Dort begrüßen wir am 8. April den Journalisten und Verleger Jakob Augstein mit seinem Romandebüt. Am 27. April steht eine besondere Zeugin des 20. Jahrhunderts im Mittelpunkt: Lenka Reinerová. Auf das Leben der letzten deutschsprachigen Autorin Prags blickt ihre Tochter Anna Fodorová zurück.

Hätte der Kartenvorverkauf für die „Frühlingslese“ nicht längst beginnen sollen?

Güttler: Vor Corona hat er in der Regel schon im Dezember begonnen. Das Kultur: Haus Dacheröden ist zwar noch gut einen Monat lang geschlossen, aber die „Frühlingslese“-Karten gehen dennoch ab sofort in den Verkauf. Wie immer können Tickets über die Website der Herbstlese, beim Ticket Shop Thüringen und bei Hugendubel am Anger und im Thüringen Park gekauft werden. Zudem nehmen wir telefonisch von Montag bis Freitag von 10 bis 14 Uhr Bestellungen von allen an, die es nicht so mit dem Internet haben.

Rettig: Neu in diesem Frühjahr ist, wir verlängern die Reservierungsfrist der Karten von zehn Tagen auf vier Wochen. Alle, die es gewohnt sind, die Karten bei uns in der Geschäftsstelle abzuholen, haben so ihre reservierten Karten sicher, bis unsere Geschäftsstelle wieder geöffnet ist. Wer nach den vielen pandemiebedingten Absagen und Kartenrückabwicklungen der letzten zwei Jahre erst einmal nach dem Motto „Jetzt reservieren und später kaufen“ vorgehen möchte, profitiert von dieser Ausnahmeregelung ebenso.

 

Die Frühlingslese-Termine in der Übersicht:

19. März | 19.15 Uhr, Buchhandlung Hugendubel:
Arne Dahl, „Null gleich Eins“ (€ 14,-/erm. € 12,-)

23. März | 19.30 Uhr, Kaufmannskirche:
Petra Gerster & Christian Nürnberger, „Vermintes Gelände. Wie der Krieg um Wörter unsere Gesellschaft verändert“ (€ 15,-/erm. € 12,-)

30. März | 19.30 Uhr, Kaufmannskirche:
Stefan Aust, „Zeitreise. Die Autobiografie“ (€ 12,-/erm. € 10,-)

7. April | 20.15 Uhr, Buchhandlung Hugendubel:
Björn Stephan, „Nur vom Weltraum aus ist die Erde blau“ (€ 12,-/erm. € 10,-)

8. April | 19.00 Uhr, Kultur: Haus Dacheröden:
Jakob Augstein, „Strömung“ (€ 12,-/erm. € 10,-)

27. April | 19.30 Uhr, Kultur: Haus Dacheröden:
Anna Fodorová, „Lenka Reinerová. Abschied von meiner Mutter“ (€ 8,-/erm. € 6,-)

5. Mai | 19.30 Uhr, Kaufmannskirche:
Heino Falcke, „Licht im Dunkeln. Schwarze Löcher, das Universum und wir“ (€ 12,-/erm. € 10,-)

Tickets und Infos unter www.herbstlese.de, Tel.: 0361-644 123 75, bei Hugendubel am Anger und im Thüringen Park sowie beim Ticketshop Thüringen: www.ticketshop-thueringen.de, Tel.: 0361-227 5 227

 

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