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Erfurter Herbstlese
Es lebe die Erfurter Herbstlese!
Juni 11 2020

Vorgestellt von Dori Diamant, Reisejournalistin und Schriftstellerin

Dror Mishani „Drei“

Dror Mishani „Drei“
Dror Mishani „Drei“

Spannung pur! Diesen Krimi wegzulegen, um am nächsten Tag weiterzulesen, fällt schwer. Er beginnt leise und langsam, aber schon am Ende des ersten Kapitels kommt eine Wendung, die zu erhöhtem Herzschlag führt. Besonders das feine und detaillierte Beschreiben der einzelnen Personen und ihrer Charaktere ist beeindruckend. Sie sind derart intensiv herausgearbeitet, dass man das Gefühl bekommt, die Protagonisten näher zu kennen. Jeder Satz ist fein abgestimmt auf den nächsten. Die Worte gehen flüssig ineinander über, so dass das Lesen nicht ins Stocken gerät.

Der Titel des Buches steht für drei Frauen, deren Schicksal in drei Kapiteln beschrieben wird. Sie alle vereint die Begegnung mit einem Mann und ein Vertrauen, das es besser nicht geben sollte.

Orna, eine junge Frau und Mutter des zehnjährigen Eran, arbeitet als Lehrerin im Gymnasium. Beide versuchen, die Scheidung und Trennung vom Mann respektive Vater zu verarbeiten, jeder eben auf seine Weise. Der Alltag von Orna ist von Arbeit und einem liebevollen Mutterdasein bestimmt; persönliche Höhepunkte gibt es kaum. Vielleicht bietet die Eintönigkeit und das stupide Dahingleiten der Tage den Anlass, auf einem Dating Portal nach etwas Abwechslung zu suchen. Die ist schnell gefunden, denn das Bedürfnis, der Einsamkeit zu entfliehen, ist groß.

Emilia, eine unscheinbare Frau, kam vor zwei Jahren nach Israel. Allein ohne Familie und auf der Suche nach Arbeit findet sie ihre Bestimmung in der Pflege des über 80-jährigen Nachum. Als dieser stirbt, steht sie allein da. Sie hofft auf Gottes Hilfe, um wieder Arbeit und ein neues Zuhause zu finden. Da sie sich illegal im Land aufhält und Angst davor hat, wieder zurück nach Riga zu müssen, sucht sie sich juristischen Rat bei Nachums Sohn. Er verspricht ihr, sich ihrer Sache anzunehmen.

Ella, eine 37-jährige Studentin und Mutter dreier kleiner Töchter, sucht morgens, nachdem die Kinder versorgt sind, Ruhe in einem Café. Konzentriert schreibt sie hier an ihrer Arbeit über das Ghetto in Lodz und der Lebensgeschichte der Menschen dort. Ab und an unterbricht sie ihre Arbeit, um eine Zigarette zu rauchen. Anfangs nicht jeden Tag, sondern ein- bis zweimal die Woche, wird auch ein Mann das Café besuchen.

Beim Lesen der ersten Seiten habe ich meiner Gewohnheit, die letzten Zeilen eines Buches zu lesen, nicht widerstehen können. Ich hätte es nicht machen sollen. Meine dringende Empfehlung daher: Tun Sie es nicht!

Dori Diamant, Reisejournalistin und Schriftstellerin, lebt abwechselnd in einem Dorf bei Jena und in Prag; ihre Sommer verbringt sie regelmäßig auf den Lofoten. 

 

 

Dror Mishani „Drei“
Diogenes, 336 Seiten, Hardcover
ISBN 978-3257070842
24,00 Euro

 

Das Buch kann unter diesem Link bei unserem langjährigen
Partner Hugendubel erworben werden.

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