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Erfurter Herbstlese
Es lebe die Erfurter Herbstlese!
Juli 22 2020

Vorgestellt von Marlene Borchers, Literaturwissenschaftlerin

Paul Auster „4321“

Paul Auster „4321“
Paul Auster „4321“

„Was für ein interessanter Gedanke, sich vorzustellen, wie für ihn alles anders sein könnte, auch wenn er selbst immer derselbe bliebe. Ja, alles war möglich, und nur weil etwas auf eine bestimmte Weise geschah, hieß das noch lange nicht, dass es nicht auch auf eine andere Weise geschehen konnte.“ Ein Roman erzählt meistens eine Geschichte, die einen bestimmten Verlauf nimmt. Aber warum muss die Geschichte gerade so erzählt werden? Jede Geschichte hat Potential für mehr, für andere Entscheidungen, andere Erlebnisse und andere Enden.

Was wäre also, wenn eine Geschichte nicht so passiert, wie sie ursprünglich erzählt wurde, sondern anders? Dieser Frage geht Paul Auster in „4321“ nach. Erzählt wird die Lebensgeschichte von Archibald Ferguson, der im Newark der fünfziger Jahre aufwächst. Das Leben des Protagonisten wird viermal erzählt und nimmt dabei jedes Mal einen anderen Lauf. Mal ist Ferguson erfolgreich, mal scheitert er. In einer Version seines Lebens hat er eine glückliche Kindheit, in einer anderen ist sein Familienleben zerrüttet. Austers Gedankenexperiment zeigt das Leben, wie es ist und wie es sein könnte.

Nicht nur der eigene Wille, sondern auch der Zufall beeinflussen, wie eine Lebensgeschichte verläuft und wie sie zu Ende geht. Auster setzt seinen Protagonisten verschiedenen Einflüssen aus, die im Zusammenspiel mit dem Zufall und der Politik der 1960er und 1970er Jahre jeweils ihre eigene detailreiche und wirkungsstarke Geschichte bekommen. Nicht zuletzt, weil Ferguson aus einer Einwandererfamilie stammt, die im Amerika dieser Zeit um ihre Existenz kämpfen muss, ist „4321“ auch ein politisches Buch und beinhaltet somit nahezu jede Facette, die von einem großartigen Entwicklungsroman erwartet werden kann. In der Summe ergibt dies ein über 1200 Seiten starkes Werk, das den Höhepunkt von Austers literarischem Schaffen.

Vorgestellt von Marlene Borchers, Literaturwissenschaftlerin

 

 

Paul Auster „4321“
Rowohlt-Verlag, 1264 Seiten, Taschenbuch
ISBN 978-3499271137
18,00 Euro

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