Erfurter Herbstlese

Es lebe die Erfurter Herbstlese!
Sept. 17 2013

Von Liebe und Tod und Winnetou 3

Bei der Begrüßung durch Monika Rettig ist das Quartett noch gut gelaunt. In der Diskussion vergeht den Vieren indes manchmal das Lachen.
Bei der Begrüßung durch Monika Rettig ist das Quartett noch gut gelaunt. In der Diskussion vergeht den Vieren indes manchmal das Lachen.

Am Ende ist die Sache glasklar. „Welches der vier vorgestellten Bücher würden Sie mit auf eine einsame Insel nehmen“, fragt Moderator Felix Leibrock das Publikum. Das erste? Keine Reaktion. Das zweite, das dritte? Keiner meldet sich. Ach herjeh, das vierte? Fast alle Arme gehen hoch.

Dieses Votum kann nicht überraschen. Denn so sehr sich die vier Herren des Literarischen Quartetts nicht auf die Qualität der Bücher eins, zwei und drei einigen können, so eindeutig fällt ihr Votum für den vierten Text aus. Doch der Reihe nach.

Es ist  gute Tradition bei der Herbstlese, dass ein Quartett einen Vorausblick auf die Lesereihe wagt. Anfänglich mit einigen Schwankungen, die das Personal und den Ort betreffen, ist man nun wohl angekommen. Zwischen den Büchern der Bibliothek am Domplatz streiten Matthias Gehler (Hörfunkchef MDR Thüringen), Felix Leibrock (Leiter Evangelisches Bildungswerk München), Prof. Dr. Dietmar Herz (Staatssekretär im Thüringer Justizministerium) und Dirk Löhr (Vorsitzender Erfurter Herbstlese e.V.) über: Bücher.

Doch ehr ihr Disput beginnt, begrüßt Monika Rettig die Gäste. Alle Stühle sind besetzt; die Ouvertüre weist auf die Lesungen, die noch kommen. Viele sind ausverkauft. So darf sich die Programmchefin aus vollem Herzen bedanken. Bereits 13.241 Karten für das Literaturfestival sind verkauft. Ausgerechnet für die vier Lesungen, deren Bücher nun besprochen werden, sind noch einige Tickets zu haben.

Bei „Lockwood und Co.“ ist der Autor offenbar nur wenigen im Publikum bekannt. Jonathan Stroud, fragt auch Felix Leibrock, wie kam der auf die Liste?

Dirk Löhr ist Pate des Buches. Er hat sich für das Buch entschieden, weil seine ganze Familie Stroud und Bartimäus lieben. „Ich weiß nicht, wie wir die 16 Stunden Fahrt in den Urlaub in Südfrankreich bewältigt hätten, ohne seine Hörbücher“, erzählt er. Das Buch ist spannend geschrieben, voll von Geistern und Phantasie, und erzählt von einer Welt, die nur von den Kindern gerettet werden kann.

Auch bei Dietmar Herz und Matthias Gehler stößt das Buch auf Wohlwollen, wobei es für den Professor der Geisterei fast schon ein wenig zu viel ist. Zumindest, stellt er anerkennend fest, gibt das Buch viel von der englischen Grundstimmung mit; zwischen den Geisterjagden wird ordentlich abgewartet und Tee getrunken.

Als nächster stellt Matthias Gehler „F“ von Daniel Kehlmann vor. Nun ist es mit dem einmütigen Wohlwollen vorbei. Während er und Dietmar Herz das Werk loben, sind Dirk Löhr und Felix Leibrock weniger begeistert. Für sie reicht Kehlmanns jüngstes Werk nicht an seinen großen Erfolg, „Die Vermessung der Welt“ heran; ja, sie attestieren dem Buch sogar ein banales Moment. Die anderen zwei setzen zu großer Verteidigung an, vor allem der Professor glaubt, dass es, anonym an den Verlag geschickt, dennoch gedruckt worden wäre. Andere haben da ihre Zweifel.

Noch kontroverser geht es bei Uwe Timms „Vogelweide“ zu, das Felix Leibrock zunächst mit gedämpften Enthusiasmus in die Runde einbringt. Langweilig, maniriert, nichts wirklich Neues – das sind die Vorwürfe, gegen die Dirk Löhr das Buch zu schützen sucht. Geht es, insistiert er, nicht um Liebe und Tod, die klassischen Themen der Literatur schlechthin? Dietmar Herz kennt keine Gnade. „Darum geht es bei Winnetou 3 auch“, sagt er zu Freude des Auditoriums.

Noch ärger treibt es Matthias Gehler. Er kann mit dem Buch nichts anfangen und schenkt es einer Dame in der ersten Reihe: "Nehmen Sie es, es ist fast wie neu", erklärt er ihr. "Ja, weil er es gar nicht gelesen hat", grummelt der etwas vergnatzte Dirk Löhr.

Bleibt Buch vier, „Auf fremdem Land“ von Assaf Gavron. Der Israel-Kenner Herz lobt es überschwänglich und trifft auf viel Zustimmung. Wer wissen will, was in den besetzten Gebieten passiert, muss dieses Buch lesen.

Sein Appell verhallt nicht ungehört. Als Felix Leibrock nach gut 100 kontroversen wie unterhaltsamen Minuten die Insel-Frage stellt, fällt die Antwort eindeutig aus. Fast alle entscheiden sich für Gavrons Buch.

Monika Rettig bleibt es überlassen, sich bei dem Quartett für die gelungene Ouvertüre in die Herbstlese zu bedanken. Und, ganz charmant, Uwe Timm noch ein wenig in Schutz zu nehmen.

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