Erfurter Herbstlese

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März 23 2014

Prosaisches zum Welttag der Poesie

"Magnum" und "Smoke on the Water" - Andreas Groß sorgte für den richtigen Begleitsound zu André Kudernatschs respektive "Suffis Welt". Foto: Holger John
"Magnum" und "Smoke on the Water" - Andreas Groß sorgte für den richtigen Begleitsound zu André Kudernatschs respektive "Suffis Welt". Foto: Holger John

Tag für Tag gibt es Welttage. Inzwischen wird an so vieles gedacht, dass die Tage dafür nicht mehr ausreichen.  Am 21. März wird es besonders eng.  Allein an internationalen Zeitmarken quetschen sich in die 24 Stunden der Welttag des Waldes, der des Down-Syndroms, der Antirassismus-Tag und der Welttag der Poesie.  An letzteren erinnert André Kudernatsch im Club Franz Mehlhose zu Beginn seiner Lesung und rezitiert fröhlich:  

„Hackepeter
wird Kacke später.“

Das mag einem Welttag, zudem eines der Poesie, nicht in allen Punkten genügen. Aber auch bei der Lyrik in diesem Falle, bei allem, was sich reimt – gilt die künstlerische Unschuldsvermutung. Die Schönheit liegt im Ohr des Zuhörers.

Der durchschnittliche Zuhörer des Abends ist nun aber gar nicht auf lyrische Finessen aus. Er erwartet einen eher prosaischen Abend. Er wird nicht enttäuscht. Um Missverständnissen aus dem Wege zu gehen: Gleiches gilt natürlich auch für die durchschnittliche Zuhörerin. Aber diese feine Unterscheidung ist für eine Lesung der Marke Kudernatsch politisch viel zu korrekt. Oder, wie es auf dem Buchrücken so schön heißt: „Das Ganze ist recht mörderisch und wild und unter der Gürtellinie sowieso.“ Entschuldigend fügt „Das Magazin“, in dem diese Kritik stand, hinzu: „Aber es ist höllisch lustig.“

Das findet das Publikum in der Mehlhose auch. Immer wieder wird der Vortrag von Gekicher und Gelächter begleitet. Damit beweist das Auditorium durchaus Sachkenntnis. Denn um „Suffis Welt“ zu verstehen, muss man einige Erfahrung aus der DDR mitbringen. Nicht nur so oberflächlichen Kram, sondern etwa, wie die Serie „Shogun“ auf Pausenhöfen rezipiert wurde, wie es im Ferienlager zuging oder was ein Pionierleiter so den ganzen Tag trieb.

Derartige Erinnerungen teilt Andre Kudernatsch mit seinem Publikum, und er teilt gern. So ist sein Buch zum Teil Rückblende, zum Teil die Fortsetzung der Geschichte auf den Fluren des Arbeitsamtes. Worin der eine oder die andere darin ein ostalgisches Moment erkennt, bleibt allerdings rätselhaft. 

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