Erfurter Herbstlese

Es lebe die Erfurter Herbstlese!
Nov. 29 2015

In der Music Academy Erfurt: Flix liest und zeichnet und macht fidele Geräusche

Das langsame Kino des Herrn F.

Flix ist der Meister der Comic-Lesung.
Flix ist der Meister der Comic-Lesung.

Am Anfang passt der Beamer noch nicht ganz. Er steht ein wenig schief zur Leinwand. Die Geschichten und Bilder, die in der kommenden guten Stunde auf die Leinwand kommen, sind allein schon schräg genug. Also wird gebastelt und gemacht, mit Hilfe des Gastes schließlich der Ständer mehr in die Zuschauerreihen verlegt und schon ist alles gut. „Schöne Töchter“ kann beginnen. Der Einsatz, so viel sei verraten, hat sich gelohnt.

Flix, so nennt sich der große freundliche Mann hinter dem Mikrofon, Flixi, wie ich seine Freunde nennen dürfen, die er immer weide einmal zitiert, kurz: der Zeichner, hat es drauf. Nicht von ungefähr darf er seit Jahren einmal im Monat den Berliner „Tagesspiegel“ mit seiner Kunst verschönern. Aber nicht nur ein bisschen, nein, stolze 27,2 mal 27 Zentimeter weißer Fläche stellt ihm die Redaktion zur freien Verfügung. Nicht auszudenken, wie viel Geld zusammenkommen würde, stände dort statt einer lustigen Bildergeschichte eine bezahlte Anzeige. Aber zum Glück heißt es Lachen statt Löhnen.

Nach fünf Jahren hat Flix die schönsten seiner Geschichten jetzt in ein Buch gepackt. Daraus wiederum die besten zeigt er dem Erfurter Publikum. Doch was heißt hier zeigen; es sind kleine Bilderfolgen, die Zeichnung für Zeichnung auf der Leinwand erscheinen. Zu den Comics gibt es Lautmalerei. Geradezu meisterlich vertont Flix, was gerade zu sehen ist. Der Wind, ein Seufzen, ein Pfeifen – es ist grandios. Es ist – eine Comic-Lesung.

Auf seiner Webseite erklärt Flix, wie das geht. Aber Achtung, wer einfach „Flix“ in seinen Computer eingibt, landet nicht bei ihm, sondern einem Fernbusunternehmen. Deren genauer Name soll hier unerwähnt bleiben, schließlich will sich die Herbstlese nicht den Vorwurf billigster Schleichwerbung einhandeln. Als, bitte „der-flix“ verwenden.

Dort erhält der geneigte Leser neben Aufklärung zu Dingen wie aktuellen Terminen oder welche Bücher des Meisters gerade lieferbar sind auch Antworten auf Fragen, die sich Flix selbst stellt. Zum Beispiel:

DU MACHST JA COMICLESUNGEN. WIE MUSS ICH MIR DAS VORSTELLEN?

Eine Comic-Lesung funktioniert so: Ich stehe auf der Bühne und lese die Texte aus
meinen Comicgeschichten vor. „Don Quijote“, „Faust“, „Da war mal was . . .“ oder anderes. 
Parallel dazu werfe ich mittels Laptop und Beamer auf eine Leinwand die passenden Bilder.
Daraus entsteht eine audiovisuelle Erlebnis, das mit „langsames Kino“ gar nicht
schlecht beschrieben ist. Einfach mal kommen und kucken. Macht Spaß. Und ist
nochmal was ganz anderes, als wenn man die Geschichten selber liest.

Um es mit Flixens Worten zu sagen: Gar nicht mal so schlecht beschrieben. Wobei etwas fehlt. Es gibt nämlich nicht nur viele bunte Bilder zu sehen, sondern auch eine ganze Menge Erklärungen, warum der Zeichner zeichnet, was er zeichnet, wie autobiografisch seine Schöpfungen sind, welche Vorbilder er hat und wie eine dreijährige Tochter den Schaffensprozess beeinflussen kann. Um nur ein paar Punkte zu nennen.

Ganz zu schweigen von dem, was beginnt, wenn die Comic-Lesung zu Ende ist. Dann sitzt Flix am Büchertisch und zeichnet für seine Gäste, als gäbe es kein Morgen. Nicht einfach nur ein paar Striche, nein, es sind wirklich kleine Kunstwerke. Die werden dann auch nur noch von den seligen Blicken übertroffen, die die so reich Beschenkten ihrem Gönner widmen.

So geht sie zu Ende, die doppelte Premiere. Doch nur zwei, drei derartige Abende mehr, schon wird aus der Sache eine feste Tradition. Warum eigentlich nicht.

Flix in der Music Academy Erfurt

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