Erfurter Herbstlese

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Okt. 20 2018

Michael Schupmann zeigt im Kultur: Haus Dacheröden eine Auswahl seiner Sammlung von Fotografien Georg Eurichs

„Die Zeit festhalten“

Zur Vernissage der Eurich-Ausstellung kam Michael Schupmann ins Kultur: Haus Dacheröden.
Zur Vernissage der Eurich-Ausstellung kam Michael Schupmann ins Kultur: Haus Dacheröden.

Zwei Ausstellungen zeigen derzeit in Erfurt Fotografien aus der Sammlung des Bad Hersfelder Arztes Dr. Michael Schupmann. Er arbeitete viele Jahre lang als Landarzt und ist heute als Ernährungsmediziner gefragt. Fotografien trug er über mehr als ein Jahrzehnt zusammen, so entstand ein in Kunstkreisen hochgeschätzter Bestand. Birgit Kummer sprach mit dem 68-Jährigen über seine Leidenschaft und die Magie von Fotografien.

Wie wurden Sie zum Sammler?

Schon als Student habe ich fotografiert. 1989 war ich mit meiner Frau in Frankfurt am Main unterwegs, wir besuchten das Fotografie Forum Frankfurt, schauten uns zahllose Originale an, hielten sie in der Hand. Sie faszinierten uns. Die Praxisschulden waren abbezahlt, wir hatten erstmals etwas Geld in der Tasche. Und damit begann es.

Haben Sie für die heimischen Wände gesammelt?

Anfangs schon. Doch die Zahl der Erwerbungen stieg und wir merkten, dass wir so eine Sammlung auch leben, mit ihr arbeiten wollten. Wir legten uns fest auf Fotografen der Bundesrepublik, von denen viele heute sehr bekannt sind. Wir fingen an, sie zu besuchen, zu interviewen, sie fotografisch zu porträtieren, die Geschichten der Aufnahmen zu hinterfragen.

Warum wurden es Fotos und nicht Gemälde?

Fotos faszinieren mich. Sie halten die Zeit fest, sie widerspiegeln die Welt und den Blick dessen, der sie macht. Für mich sind sie wichtig - für das eigene Leben, den Standort, die Weltsicht.

Solche Originale können sehr teuer werden?

Ja, das ist so beim Sammeln, jedoch waren die Preise für Fotografien im Vergleich zur bildenden Kunst noch zu stemmen. Es ging nie vordergründig um den besten Abzug, es ging um Aufnahmen, die etwas erzählen. Es ging natürlich auch ums „Habenwollen“. Um Aufnahmen, die das Werk der Künstler in einem zeitlichen Ablauf oder zu konkreten Zeitpunkten darstellten.

Warum schwarz-weiß?

Fotografie heißt heute meist groß und bunt. Ich möchte zeigen, dass auch "Kammermusik" gute Musik ist, dass die Schwarz-Weiß-Fotografie etwas Besonderes ist.

Die Kunsthalle zeigt 350 Ihrer Bilder von verschiedenen Fotografen. Haus Dacheröden zeigt die „Ferne Heimat“ von Georg Eurich. Zwei Mal Erfurt - ein Zufall?

Es war in den letzten Jahren still geworden um die Sammlung. Aber Fotos gehören nicht nur in Sammlerschränke, sie sollten angeschaut werden. Deshalb beschlossen wir im Vorjahr, für Ausstellungen zu werben. Unter denen, die Interesse zeigten, waren Professor Kai Uwe Schierz von den Kunstmuseen und Eric Langer vom evangelischen Kunstdienst. Schön, dass jetzt 400 Fotos in der Stadt zu sehen sind.

Eurichs Aufnahmen ziehen den Betrachter direkt ins Landleben der 1950er und 1960er Jahre. Aber er war kein national bekannter Fotograf. Wie kamen die Bilder zu Ihnen?

Als junger Landarzt bekam ich von der Gemeindeschwester einen seiner Fotobände geschenkt, schaute rein, ärgerte mich über die schlechte Druckqualität und stellte ihn ins Regal. Jahre später kramte ich ihn hervor und war fasziniert von den Aufnahmen. Es dauerte, bis ich Kontakt bekam zu Georg Eurich, der Schulleiter und Chronist und ein sehr guter Fotograf war. Ich war sehr froh, dass ich diese Bilder erwerben konnte.

Die Fotos zeigen Dorfszenen, Heuernte, Stallarbeit, altes Handwerk, Heimarbeit oder den Ablauf der ländlichen Jahreszeiten. Kindheitserinnerungen leben auf.

Die Aufnahmen halten Alltagsbilder fest und ein Leben, das man heute auf dem Land so nicht mehr findet. Als Landarzt habe ich oft gedacht, wenn Leute verstorben waren: Was passiert mit dem, was an sie erinnert, mit den alten Sachen? Das ließ sich nicht alles retten. Aber die Aufnahmen davon, die sollten überleben.

Die Fotos erzählen von Heimat.

Heimat brauchen wir auch im 21. Jahrhundert - wir Einheimischen und unsere Gäste. Wir alle sollten in gegenseitigem Respekt zusammenleben können. Ich habe den Eindruck, da müssen beide Seiten noch viel lernen.

Das Gespräch erschien zunächst am 20. Oktober in der Erfurter Lokalausgabe der „Thüringer Allgemeinen“.

 

Die Ausstellung im Kultur: Haus Dacheröden ist bis zum 22. November 2018 von Montag bis Freitag in der Zeit von 12 bis 17 Uhr und am Samstag von 10 bis 15 Uhr geöffnet. Zur Ausstellung ist auch ein reich illustrierter Katalog zum Preis von 10,00 Euro erschienen.

 

Eurich-Ausstellung im Kultur: Haus Dacheröden

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