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April 28 2021

Alexander Osangs „Fast hell" in der Literarischen Mittagspause

Uns Uwe

Alexander Osang war wiederholt bei der Erfurter Herbstlese zu Gast. Vielleicht gibt es ja schon  am 27. Mai ein Wiedersehen (Foto: Felix Rettberg).
Alexander Osang war wiederholt bei der Erfurter Herbstlese zu Gast. Vielleicht gibt es ja schon am 27. Mai ein Wiedersehen (Foto: Felix Rettberg).

Mit seinem Roman „Fast hell“ ist Alexander Osang schon lange in das Kultur: Haus Dacheröden eingeladen. Ob der geplante Termin am 27. Mai ab 19.30 Uhr aber auch wirklich über die Sommerbühne im Hof gehen kann, lässt sich Stand heute angesichts der Corona-Bestimmungen nur schwer sagen. Zum Glück gibt es aber das neue Format der „Literarischen Mittagspause“. Monika Rettig hat gleichsam die Chance, für eine schöne Veranstaltung zu werben, und dabei – quasi für alle Fälle – mit dem Autor über die Essenz seines neuen Buches wie die seiner journalistischen und schriftstellerischen Arbeit zu sprechen. Die ist eng an Alexander Osangs Herkunft geknüpft. Mit „Fast hell“ geht es ihm um „uns Uwe“; dieses Mal ist es nicht der Seeler, er stammt auch nicht aus Hamburg.

Ursprünglich sollte Uwes Geschichte eine Reportage für das Sonderheft des Magazins „Der Spiegel“ über die rätselhaften Ostdeutschen zum 30. Jahrestag des Mauerfalls werden. Sie erschien dem Ostberliner Alexander Osang bestens geeignet, um endlich einmal eine Geschichte aus dem historisch längst entsorgten vermeintlichen Staat der Arbeiter und Bauern zu erzählen, die überrascht und nicht zum wiederholten Mal die gängigen Klischees von der ewig grauen Republik bedient.

Was ihn denn so fasziniert habe an Uwe und seinem Leben, möchte Monika Rettig zu Beginn ihres Gesprächs von Alexander Osang wissen. Zwei Dinge, antwortet er: Die Sehnsucht nach der Welt, die sich in der DDR bei Uwe, aber auch bei ihm selbst, aufgestaut hatte, und die beide nach 1989 zu stillen versuchen. Genährt wird diese Sehnsucht vor allem durch Bücher, Filme und Musik. Außerdem habe ihn fasziniert, dass Uwes Erinnerungen an Ostdeutschland „nicht getrübt wurden durch all die Verwerfungen im geeinten Deutschland nach dem Fall der Mauer. Er war bei der Währungsunion in China, er war, als die Ausländerheime brannten, in Moskau und hat da Russisch studiert - und er war die ganze Amtszeit von Angela Merkel in New York.“

Um mehr von Uwe zu erfahren, den er aus seiner eigenen Zeit in New York nur flüchtig kennt, unternimmt Alexander Osang im Sommer 2019 mit ihm – Uwes Mutter ist auch dabei – eine Reise von Helsinki nach Sankt Petersburg. Zwei Nächte auf der Fähre und drei weiße Nächte in der Stadt an der Newa und in dem Land, dem sich Alexander Osang eng verbunden fühlt, kommt doch seine Großmutter von dort. „Das war wie eine Jim Jarmusch-Reisegruppe und ein tolles Setting für diese Geschichte, sehr adäquat zu dem, was Uwe mir alles erzählt hat.“

Doch je länger Alexander Osang an der Reportage arbeitet, desto klarer wird ihm, dass er gerade all das Märchenhafte und Fantastische in Uwes Leben in diesem journalistischen Genre nicht erzählen kann. Er hätte „Zügel anlegen müssen an diese Figur Uwe“, so der Autor. Das „unfassbar bunte Leben, das Uwe hingelegt hat“, sprengte den Rahmen der Reportage, und es überstieg letztlich auch die Möglichkeiten der Faktenprüfer beim Hamburger Magazin. Alexander Osang verständigt sich schließlich mit dem Spiegel darauf, es sein zu lassen.

Damit gewinnt er die Freiheit, den Stoff zu einem Buch zu verarbeiten, das sich auf der Grenze von Literatur und Journalismus bewegt. Es ist ein Doppelporträt geworden von Uwe und von Alexander selbst, in dem letzterer auch sehr offen über die krisenhaften Momente seines Schreibens und seine Zweifel spricht.

Das führt Monika Rettig zum Ende der „Literarischen Mittagspause“ zu der Frage, wann ein (journalistisch) Schreibender schuldig werden kann. Darauf antwortet der Gefragte unter anderem so: „Während der Recherche versucht der Reporter, höchstmögliche Nähe zu dem Porträtierten herzustellen. Man wirbt um sein Vertrauen.“ Dann kommt eine Phase, in der man schreibt, in der das Erlebte zum Material wird. Da setzt für ihn, den Autor, die größte Gefahr ein, der Moment, in der diese Situation im Grunde immer verraten wird. „Dieses Dilemma lässt sich nicht lösen. Man sollte versuchen – und das fällt mir zunehmend schwer, muss ich sagen –, diese Momente der Nähe irgendwie in die Texte zu retten“, räumt Alexander Osang ein.

Mit Alexander Osangs  „Fast hell“ stehen nun fünf Folgen der „Literarischen Mittagspause“ zur Verfügung. Sie sind über den YouTube-Kanal der Herbstlese „Caroline TV" sowie bei Spotify zu erleben. Mit den Angaben neben den Covern gelangen Sie zu unserem langjährigen Partner Hugendubel. Dort können Sie bei Bedarf die vorgeschlagenen Bücher direkt bestellen. 
 



Wird am 28. April veröffentlicht:
Alexander Osang im Gespräch mit Monika Rettig

„Fast hell“Aufbau Verlag, gebunden, 237 Seiten
ISBN: 3351038585 , 22,00 Euro

Spotify    YouTube



 


Bereits am 14. April veröffentlicht:
Margarete von Schwarzkopf im Gespräch mit Monika Rettig

„Der Meister und der Mörder“
emons Verlag, Broschur, 336 Seiten
ISBN: 978-3-7408-0958-4, 13,00 Euro

Spotify    YouTube



 


Bereits am 24. Februar veröffentlicht:
Iris Wolff im Gespräch mit Monika Rettig

„Die Unschärfe der Welt“
Klett-Cotta Verlag, gebunden, 213 Seiten
ISBN: 3608983260, 15,99 Euro
 

Spotify     YouTube

 

 

Bereits am 17. März veröffentlicht:
Zoë Beck im Gespräch mit Monika Rettig

„Paradise City“
Suhrkamp Verlag, Taschenbuch, 280 Seiten
ISBN: 3518470558, 10,00 Euro

Nach Auslaufen der Rechte steht diese Folge nicht mehr
bei Spotify und Youtube zur Verfügung.



 

 

Bereits am 31. März veröffentlicht:
Thorsten Nagelschmidt im Gespräch mit Katja Kemnitz

„Arbeit“
S. Fischer, gebunden, 333 Seiten 
ISBN: 3103974116, 18,99 Euro

Spotify     YouTube
 

 

 

 

 

 

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