Erfurter Herbstlese

Es lebe die Erfurter Herbstlese!
Okt. 06 2017

Birk Meinhardt präsentierte im Kultur: Haus Dacheröden den zweiten Teil von "Brüder und Schwestern"

Von einem der auszog, einen Roman zu schreiben

Aus den Wanderungen der Kindheit nach Schorba machte Birk Meinhardt in seinem Roman den gleichnamigen Fluss, an dem das fiktive Gerberstedt liegt.
Aus den Wanderungen der Kindheit nach Schorba machte Birk Meinhardt in seinem Roman den gleichnamigen Fluss, an dem das fiktive Gerberstedt liegt.

Er kommt ein bisschen später zur verabredeten Mikrofonprobe. Birk Meinhard geht langsam auf seinem Weg vom Hotel hinter der Krämerbrücke zum Haus Dacheröden hinüber. Dort warten schon die ersten Gäste auf den Berliner Schriftsteller. Er lässt die Stadt auf sich wirken, nimmt sich die Zeit zu schauen, was sich seit seinem letzten Besuch hier verändert hat. Er kennt Erfurt noch als DDR- Bezirkshauptstadt. Es war immer schön hier, auch damals schon, sagt er.

Damals, als die Städte noch grau sind, in den 70-er und 80-er Jahren, beginnt auch die Geschichte der Familie Werchow in Gerberstedt. Einer fiktiven Thüringer Kleinstadt, deren Bewohner Birk Meinhardt in seiner zweibändigen Familienchronik in den Mittelpunkt der Handlung stellt. Er erzählt von ihrem Alltag, mit all seinen Aufregungen, Kompromissen und Besonderheiten, die es so nur „im Osten“ gibt. So, wie er jetzt Erfurt wahrnimmt, schreibt er auch, detailgetreu und in Sätzen, die man sich einfach notieren will, so treffend und gut sind sie.

Beim Herbstlese-Abend geht es um die Werchow-Kinder, deren Lebenswege er im zweiten Band von „Brüder und Schwestern – die Jahre 1989 bis 2001“ beschreibt. Ihre Geschichten erfahren darin eine buchstäbliche Wende, ihre Lebensentwürfe werden gehörig durcheinandergeworfen; mal zum Besseren, mal recht tragisch. So erinnern auch die meisten Zuhörer diese Jahre. Vieles von damals ist eben noch lange nicht aufgearbeitet. Birk Meinhardt beschreibt diese Befindlichkeiten und Stimmungen auf seine besondere, treffende Art.

Von einem Journalisten wie ihm lässt sich eine viel „schnellere Schreibe“ erwarten.  Genau das wollte er aber für seinen Roman nicht.  Er entscheidet sich für das Wagnis: Um genug Zeit und Muße zu haben, verlässt er seinen Arbeitgeber, die „Süddeutsche Zeitung“. Er beginnt – zunächst ganz ohne einen Vertrag – zu schreiben.  „Ich wollte sehen, ob ich das kann, einen Roman schreiben“, erklärt er seinem Publikum.

Er kann. Fast 1400 Seiten sind es am Ende geworden. Beim Hanser Verlag erkennt man die Qualität seines Manuskriptes.

Beim Literarischen Quartett, dem traditionellen Präludium zur Herbstlese, überlegen die vier Herren hinlänglich (und streiten auch darüber), ob es nun diesen einen großen Wende-Roman schon gibt.

Wenn ja, dann sind Birk Meinhardts „Brüder und Schwestern“ ein heißer Anwärter dafür.

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