Erfurter Herbstlese

Es lebe die Erfurter Herbstlese!
Mai 13 2015

„Show must go on“ – Herbstlese-Fotograf Holger John stellt im Café Lobenstein aus

Wenn das Auge die Ohren überstimmt

Prima Handwerker: Konditor-Meister Stefan Lobenstein und Herbstlese-Fotograf Holger John mit einem der ausgestellten Bilder.
Prima Handwerker: Konditor-Meister Stefan Lobenstein und Herbstlese-Fotograf Holger John mit einem der ausgestellten Bilder.

Ab Samstag zeigt Holger John seine Fotografien im Café Lobenstein. Die 16 Aufnahmen entstanden bei Konzerten und Lesungen in Erfurt; im Theater, der Alten Oper, im Kaisersaal und der Messehalle. Ein Gespräch mit dem 50-Jährigen, der regelmäßig Bilder in der TA und der TLZ veröffentlicht, über Festivals in Thüringen, den magischen Moment vor der Bühne und wie es ist, wenn das Auge die Ohren überstimmt.

Mit 50 die erste eigene, kleine aber feine Ausstellung, wie fühlt sich das an?

Sehr gut. Daran hätte ich vor wenigen Jahren noch nicht geglaubt. Es hat schon etwas, seine eigenen Fotos an gleich mehreren Wänden zu sehen.

Als Fotograf sind Sie ein Spätberufener?

Ich hatte als Jugendlicher eine Kamera, eine Practica MTL 5, mit der ich meine ersten Bilder schoss. Aber so richtig ist bei mir erst der Knoten geplatzt, als die Digitalkameras auch für Amateure erschwinglich wurden. Die letzten vier, fünf Jahre bin ich ganz gut ins Geschäft gekommen.

Das heißt, Sie können jetzt davon leben?

Das ist nicht so einfach. Ich habe immer noch meinen Job in der IT-Branche. Aber auch da bin ich als Selbstständiger Kummer gewöhnt. Gemessen am Aufwand an Weg und Zeit ist es fast ausgeschlossen, als Fotograf sein Auskommen zu finden. Aber ich habe mich für die Knipserei ja nicht wegen des Geldes entschieden.

Sondern?

Wegen des magischen Moments vor der Bühne. Wenn für einen Bruchteil alles stimmt: das Licht, der Ausdruck des Künstlers, ein Hauch Ewigkeit daherkommt.

Das klingt mächtig nach Kunst . . .

. . . die fotografiere ich auch am liebsten. Vor gut fünf Jahren habe ich Michael John – die Namensgleichheit ist übrigens Zufall – gefragt, ob ich nicht ein bisschen bei der Herbstlese fotografieren darf. Das war mein Einstieg. Seitdem versuche ich, keine Lesung zu verpassen. Die Qualität der Aufnahmen hat sich offenbar herumgesprochen. Inzwischen drucken TA und TLZ regelmäßig meine Fotos. Zudem bin ich seit vier Jahren auch der Fotograf der Kulturarena Jena.

Gerade wenn Sie für die Zeitung unterwegs sind, dürfte doch nicht jede Show nach Ihrem Geschmack sein . . .

. . . privat würde ich bestimmt nicht überall hingehen. Aber beim Fotografieren ist das anders. Wenn ich durch den Sucher schaue, wird die Musik einfach ausgeblendet; das Auge überstimmt die Ohren.

Nun mögen nicht alle Prominenten Fotografen. Haben Sie schlechte Erfahrungen gemacht?

Lassen Sie uns doch über die schönen Augenblicke sprechen, wenn sich ein Künstler Zeit für die Aufnahmen nimmt. Das ist schon etwas Besonderes, mit Andrea Sawatzki über die Krämerbrücke zu schlendern oder mit Motsi Mabuse im Atrium der Stadtwerke herumzualbern. Da kommen dann oft auch die besten Bilder dabei heraus.

Aber haben Sie nicht manchmal auch von dem ganzen Rummel genug?

Da geht es mir wie sicher den meisten Menschen. Aber auch da kann ich mich auf meine Kamera und meine Objektive verlassen. Zu Hause, in der Gegend um die Drei Gleichen, finde ich beim Fotografieren der Landschaft, der Natur zu innerer Ruhe. Leider sind diese Momente viel zu selten.

Show must go on?

Ja, aber in einem positiveren Sinn. Nicht einfach weiter so, eher, sich nicht mit dem Erreichten zufriedengeben. Der nächste magische Moment kommt bestimmt. Deshalb habe ich auch die Ausstellung im Café Lobenstein unter dieses Motto gestellt.

Welchen Künstler würden Sie gern noch einmal fotografieren?

Ach, das nehme ich, wie es kommt. Ich hatte ja, von A wie Anastia bis Z wie Zucchero, schon fast alle vor der Linse. Van Morrison vielleicht – ja, zu dem würde ich auch ohne Fotoapparat gehen. Und zu Stefan Lobenstein in die Backstube, weil ich einen Heidenrespekt vor seinem handwerklichen Können habe.

Holger John stellt seine Fotografien im Café Lobenstein aus

Fotos: Hartmut Schwarz / Holger John

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