Erfurter Herbstlese

Es lebe die Erfurter Herbstlese!
Nov. 10 2016

Der Schauspieler als Autor: Miroslav Nemec stellt im Atrium der Stadtwerke seinen ersten Kriminalroman vor

Ganz ohne Batic geht es nicht

Batic oder Nemec oder wer? Der bekannte Schauspieler Miroslav Nemec war schon des öfteren auch als Autor bei der Herbstlese zu Gast.
Batic oder Nemec oder wer? Der bekannte Schauspieler Miroslav Nemec war schon des öfteren auch als Autor bei der Herbstlese zu Gast.

Von Sigurd Schwager 

„Es war Freitag, kurz nach zwei, und ich sollte am Abend im Hotel Falkneralm, irgendwo weit hinten in den Berchtesgadener Alpen, sein, um an einem Mörderischen Wochenende teilzunehmen, bei dem ich am nächsten Vormittag aus einem Kriminalroman von Henning Mankell lesen und mich am Abend an einem Gespräch zum Thema `Mord und Totschlag in Fiktion und Wirklichkeit beteiligen sollte."

Der Mann, der dies schreibt und zur Herbstlese vortragen wird, heißt Miroslav Nemec, ist von Beruf Schauspieler und als Kriminalhauptkommissar Ivo Batic im Münchner „Tatort“ einem Millionenpublikum seit fast 26 Jahren bekannt.

Sein bandwurmlanger Satz steht ziemlich am Anfang eines Buches, mit dem der Mime als Krimiautor debütiert. Titel: „Die Toten von der Falkneralm“. Die Toten, das sind drei Gäste des Berghotels, drei Ehemänner, die nacheinander sterben. Tod im Pool, Tod durch Dachziegel, Tod in der Sauna.

Unglückliche Umstände oder doch mehr, gar Mord? Nemec, übernehmen Sie! Jedenfalls ist es eine schöne Konstellation: Der Schauspieler Nemec lässt sich vom Autor Nemec als Schauspieler Nemec in einen Kriminalroman versetzen, wo er erstmals in einem realen Fall mit echten Leichen ermittelt, was wiederum ein fiktionaler Vorgang ist, weil ihn der Autor Nemec für den Schauspieler Nemec erdacht hat.

Alles klar? Dass es Leser gibt, die sich lieber den Kommissar Batic auf der Alm gewünscht hätten, weiß Miroslav Nemec natürlich und antwortet darauf heiter gestimmt in einem Zeitungsgespräch: „Ich habe mit dem Ivo Batic telefoniert und ihm die Rolle des Miroslav Nemec angeboten, falls der Krimi verfilmt wird. Da hat er mir zugesagt, der Batic. Er möchte nur ein paar Dialogänderungen haben. Und das kann ich verstehen.“

Gut verstehen kann man auch die große Neugier des Erfurter Publikums auf Nemec und seinen Krimi-Erstling. Das Atrium der Stadtwerke ist bis auf den letzten Platz gefüllt, die Herbstlese-Veranstaltung ausverkauft seit langem. Miroslav Nemec erzählt im Atrium, wie alles begann, berichtet von einer Bergwanderung mit seinem Verleger, der sich ein Buch von ihm gut vorstellen kann. Man habe überlegt: vielleicht ein Witzebuch oder ein Kochbuch oder ein Witzkochbuch.

Oder ein Krimi? Besser nicht! Andererseits sei er, der Nemec, häufig zu Lesungen im Lande unterwegs, und wenn dort nun etwas passieren würde, was sonst nur der Batic erlebt, dann könnte man . . .

Nemec kann. Es sei ein Spiel mit zwei Identitäten sagt der Autor in Erfurt über sein Buch und spielt ein wenig mit dem Erfurter Publikum, das ihn bestens versteht: „Der Batic steht im Vordergrund. Mich kennt keiner. Ich habe mich als Miroslav Nemec vernachlässigt gefühlt.“

Nemec, ein wunderbarer Interpret des eigenen Textes, liest in Erfurt vier Passagen aus seinem Buch. Obwohl darin bereits zwei Leichen vorkommen, bleibt das Geschehen, was so beabsichtigt ist, für die Zuhörer rätselhaft. Wer Aufklärung will, muss und soll schon selbst lesen. Er weiß zumindest schon mal, dass nicht alles todernst gemeint ist, dass auch gelacht werden darf und soll.

Zum Titel „Die Toten von der Falkneralm“ gehört übrigens „Mein erster Fall“. Als Unterzeile. „Die hat der Verlag hineingeschrieben, das ist merkantil gedacht", sagt Miroslav Nemec, der es mit Udo Wachtveitl als Ivo Batic und Franz Leitmayr seit dem 1. Januar 1991 auf immerhin 73 Fälle gebracht hat. Da wird der Nemec den Batic nie einholen. Aber ein Anfang ist gemacht und der Beifall in Erfurt für den ersten Fall lang und herzlich.

In Erinnerung von diesem Abend bleibt auch ein starker Satz des Schauspieler Heiner Stetten, den Miroslav Nemec seinem Krimi voranstellt und den er in Erfurt mit großem Vergnügen zitiert: „Ein Schauspieler macht es, oder er macht es doch.“

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