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Erfurter Herbstlese
Es lebe die Erfurter Herbstlese!
Sept. 26 2018

Der Kultkommissar und seine Schöpfer Klüpfel und Kobr im Steigerwaldstadion

Gestatten, Adelbert Ignatius Kluftinger

Gefühlt „das 25. Mal bei der Herbstlese in Erfurt“ – das Autorenduo Klüpfel und Kobr bei seinem Auftritt im Steigerwaldstadion.
Gefühlt „das 25. Mal bei der Herbstlese in Erfurt“ – das Autorenduo Klüpfel und Kobr bei seinem Auftritt im Steigerwaldstadion.

Von Hanno Müller

So kann man auch Spannung erzeugen: Allein das Grabkreuz auf dem Cover des neuen "Kluftinger" soll Fans des kauzig kantigen Kult-Kommissars in Angst und Schrecken versetzt haben. Ist es so, wie es aussieht? Wird der zehnte auch der letzte Kluftinger? Nachdem das Buch einige Zeit auf dem Lesemarkt ist, darf man wohl - ohne zu spoilern - Entwarnung geben. Klufti lebt. Liest man die letzten Zeilen genau, ist da sogar so etwas wie die Aussicht auf eine Fortsetzung.

Bis dahin aber bleibt dieser Jubiläumsband der persönlichste unter den Kluftinger's. Nicht nur, weil der Ermittler als Opa eines Duziduzidu-Butzel-Enkelchens eine ungekannte weiche Seite offenbart. Auch in krimineller Hinsicht geht es diesmal um den Ur-Allgäuer selbst. Im neuen Fall gerät er nämlich selbst in die Schusslinie. Ein Grab mit seinem Namen auf dem Altusrieder Friedhof, Todesanzeigen in der Zeitung und schließlich konkret datierte Totenblätter in der Kirche lassen keinen Zweifel: Da trachtet jemand dem Alten ernsthaft nach dem Leben.

Mit dem Krimi "Milchgeld" fing vor 15 Jahren alles an. Damals ließen die beiden Allgäuer Michael Kobr und Volker Klüpfel ihren schrulligen Kommissar Kluftinger zum ersten Mal ermitteln. Seitdem hat Klufti eine stetig größer werdende Fangemeinde um sich geschart. Inmitten der Allgäuer Berge, mit schnodderigem Dialekt und einer Vorliebe für Käsespatzn, Leberkäs-Brezeln und Wurstsalat ist Klufti sozusagen der "Normalo" unter den literarischen Krimi-Helden. Er liebt seine Frau Erika, den 30 Jahre alten Passat und nun auch das Butzel-Enkelchen, das ihm Sohn Markus mit seiner japanischen Frau Yumiko ins Altusrieder Haus gebracht hat.

Im Fall 10 wird allerdings auch klar: der Allgäuer hat Geheimnisse. So erfährt der geneigte Leser erstmals Kluftingers Vornamen: Adelbert Ignatius. Ungeliebter Spitzname: Nazi. Kein Wunder, dass er den all die Jahre lieber für sich behalten hat. Wie auch die dunklen Seiten seiner Vergangenheit. In die muss der Sohn eines Streifenpolizisten, der sich einst selbst dank kriminologischem Talent von der Schutzpolizei zum Chef der Kemptener K1 emporermittelte, nun tief hinein abtauchen, um die Gefahr für Leib und Leben abzuwenden. Und dann ist da ja auch noch der Maulwurf in den eigenen Reihen... 

Was sie sich bei alledem über die Jahre so gedacht haben und ob und wie es möglicherweise mit Kluftinger weitergeht, erzählen die Autoren gerade bei ihrer Jubiläumstour durch Deutschland. Am Dienstag sind sie damit zu Gast bei der Erfurter Herbstlese. Wer die Auftritte der beiden kennt, weiß, dass diese eher Bühnenshows als Lesung sind. In der Vergangenheit wurde auch schon mal eine Saunaszene da gelesen, wo sie stattfindet - nämlich in der Sauna. "Lesung + X" nennen Klüpfel & Kobr ihr aktuelles Programm. Das X stehe dabei für den unterhaltsamen Mehrwert, den das Publikum haben soll. Wie bei Klufti soll es auch bei den Autoren noch einen drauf geben. Versprochen sind "kompromittierende Bilder" aus der Jugend von Klüpfl & Kobr sowie Berichte darüber, wie alles angefangen hat. Die Autoren kommen selbst aus dem Allgäu und kennen sich seit der Schulzeit. 

Grund zu Frohsinn haben beide allemal. Die Allgäu-Krimireihe macht den Realschullehrer Michael Kobr und den Kulturjournalisten Volker Klüpfel zum gefragten Bestsellerduo. Als sie anfingen, waren beide noch voll berufstätig, das Bücherschreiben und bis zu 120 Lesungen im Jahr stemmten sie quasi nebenbei. Ihre Bestseller laufen auch im Ausland gut, die Auflagen gehen inzwischen in die Millionen. Vor acht Jahren hängten sie ihre alten Jobs endgültig an den Nagel - ein Kluftinger ernährt seinen Mann. Dass sie - wie sie gern mal kokett verkünden - in den vergangenen 15 Jahren zusammen um gut 30 Jahre gealtert seien, kommt zumindest mathematisch auf jeden Fall hin. 

Fünf "Kluftingers" hat die ARD verfilmt - mit Schauspieler Herbert Knaup in der Hauptrolle. 300 bis 400 Klufti-Fans wandeln jährlich bei den Führungen des Vaters von Volker Klüpfel in Altusried auf den Spuren der Krimis. Als 2012 auf dem örtlichen Friedhof in Altusried das Grab für eine verblichene Kluftinger-Romanfigur auftauchte, sorgte dies überregional für Aufmerksamkeit. Über mehrere Wochen zog die Ruhestätte mit Kranz, Blumen und Holzkreuz samt Sterbebildchen für einen Toten, der gar nicht existierte, Schaulustige an. Der Inhaber eines Altusrieder Bestattungsinstituts hatte das vermeintliche Grab für Fans des Kommissars errichtet. Weil das dann wohl doch etwas zu viel war, wurde es schließlich wieder abgebaut. 

Eine Episode sei an dieser Stellte noch verraten: Im 10. Kluftinger begegnet Klufti keinem Geringeren als Jörg Maurers Kommissar Jennerwein. Alpen-Ermittler trifft Kult-Allgäuer - wie das Klüpfel & Kobr in ihrer Jubiläumsgeschichte arrangieren und mit der Vita ihres Helden verknüpfen - lesen Sie's selbst.

Dieser Text erschien zunächst in der Wochenendbeilage der „Thüringer Allgemeine“.

Klüpfel & Kobr im Steigerwaldstadion

Fotos: Holger John

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