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Erfurter Herbstlese
Es lebe die Erfurter Herbstlese!
Feb. 15 2020

Das „Vom HörenSagen“ bietet künftig Hörspiele und akustische Kunst

Lauschige Momente aus der Konserve

Katharina Bucklitsch (links) und Sophie Kirchner haben sich schon Gedanken gemacht, wie sich die neue Veranstaltungsreihe gestalten könnte. (Foto: Kathleen Kröger)
Katharina Bucklitsch (links) und Sophie Kirchner haben sich schon Gedanken gemacht, wie sich die neue Veranstaltungsreihe gestalten könnte. (Foto: Kathleen Kröger)

Von Kathleen Kröger (*)

Es ist eine ganz neue Idee, die ab Ende Februar im Haus Dacheröden Einzug halten soll: Speziell auf das Haus am Anger eingerichtet werden hier in drei Veranstaltungen Hörspiele gepaart mit Vorträgen und Live-Klangkunst präsentiert. „Es ist das erste Mal, dass Hörkunst in dieser Form in Erfurt aufgeführt wird“, sagt Barbara Kenneweg. Dabei geht es der Mitinitiatorin vor allem um das Zusammenspiel verschiedener akustischer Medien. So sollen sich Referate, Tonaufnahmen und Performances abwechseln.

Der erste Termin am 23. Februar steht dabei unter dem Motto „Das Weite suchen“. Die Kulturwissenschaftlerin Britta Lange hat zu frühen Tonaufnahmen und deren Archivierung geforscht und möchte auch die teils fragwürdigen Umstände beleuchten, in denen sie entstanden sind: „Der Phonograph hat es erstmals ermöglicht, Stimmen zu konservieren und reproduzierbar zu machen“, erklärt Kenneweg, „Gerade in der Ethnologie war das ein großes Thema. Es gibt noch Fotoaufnahmen, wo ein Indianer zu sehen ist, der von einem Wissenschaftler festgehalten wird, um im besten Winkel in das Aufnahmegerät zu sprechen. Das ist natürlich eine vollkommen schräge und unnatürliche Situation. Da sollte man davon ausgehen, dass sich das auch auf die Aufnahme ausgewirkt hat.“

Ob dieses Zeitzeugnis letztendlich noch im Kontext authentischer und lebensnaher Kommunikation betrachtet werden kann oder auf der anderen Seite auch eine Aussage trifft, wie mit anderen Ethnien umgegangen wurde, soll mit Britta Lange diskutiert werden.Nach diesem inhaltlichen Einstieg in das Thema ist ein Hörspiel der Autorin Simone Kucher geplant. Das Stück mit dem Titel „Der Stimme ihren Ort zurück“ beginnt ähnlich mit einer historischen Perspektive, soll die Gäste und Hörer des Nachmittags aber thematisch ins Hier und Jetzt führen: „Sie hat mit Aufnahmen aus dem Berliner Lautarchiv gearbeitet. Dort gibt es verschiedene Aufzeichnungen von Kriegsgefangenen im ersten Weltkrieg, unter anderem auch von Stimmen armenischer Soldaten. Im Hörspiel wird so eine Aufnahme von der Protagonistin gefunden, die sich dadurch mit ihrer eigenen Familiengeschichte konfrontiert sieht, und im Zuge dessen auch mit dem Völkermord an den Armeniern vor 100 Jahren“, schildert die Erfurterin.

Die dritte Komponente und damit den Abschluss des ersten Hör-Salons bildet der Performer Zoran Terzic. Seine Klangkunst soll vor allem überraschen: „Er ist so eine Art Übersetzungsmaschine, die Klänge in Buchstaben verwandelt. Das wird sehr spannend und ungewöhnlich. Er ist ja auch Musiker, Wissenschaftler und Autor und wird in seiner Performance mit Klang und Worten experimentieren.“

Die Inspiration zu diesem in Kooperation mit dem „Hans-Flesch-Gesellschaft – Forum für akustische Kunst“ entstandenen Projekt zieht Barbara Kenneweg aus einer gesellschaftlichen Beobachtung. So sieht sie eine Entwicklung, die sich wiederholt mehr dem Akustischen widmet. „Wir leben ja in einer sehr schriftdominierten Zeit. Aber man sieht ja viele Leute mit Kopfhörern auf der Straße. Es werden wieder mehr Podcasts gehört, Sprachnachrichten verschickt. Stimmen sind so jederzeit verfügbar. Damit verändern sich kulturelle Techniken und daher glaube ich, dass das die Rolle des Akustischen neben dem Visuellen in unserem Leben zunehmend wachsen lassen wird.“

Aus diesem Grund habe sie den Hör-Salon angestoßen und das Projekt so konzipiert, dass es Klang und Hören auf vielfältige Weise erlebbar macht. So ist der Salon als „Publikumsparcours“ gestaltet, indem die drei Programmpunkte nacheinander jeweils in anderen Räumlichkeiten des Hauses ablaufen. „Ich bin gespannt, wie es wird. Es ist zwar ein anspruchsvolles Thema, aber es soll zwanglos sein, sodass sich die Gäste auch beteiligen und austauschen können.”

(*) Dieser Beitrag erschien zum ersten Mal in der „Thüringer Allgemeine“ vom 15. Februar 2020.

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