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März 28 2019

Lutz Lindemann erzählt aus seinem Fußballer-Leben (Teil II)

Optimist aus Leidenschaft

Lutz Lindemann erzählt aus seinem Fußballer-Leben (Teil II): Ein Optimist aus Leidenschaft
Lutz Lindemann erzählt aus seinem Fußballer-Leben (Teil II): Ein Optimist aus Leidenschaft

Von Vanessa-Marie Starker (*)

Die Erfurter Frühlingslese lädt Fußballbegeisterte in das Kultur: Haus Dacheröden ein. Gemeinsam stellen der Autor Frank Willmann und DDR-Fußballer Lutz Lindemann die Biographie „Optimist aus Leidenschaft. Mein Leben“ vor. Lutz Lindemann war ein Fußballstar der DDR und spielte unter anderem für den FC Carl Zeiss Jena im Europapokal und später für die DDR-Nationalmannschaft. Der 69- Jährige erzählt zusammen mit dem bekennenden Jena-Fan Willmann mit viel Humor aus sechzig Jahren Fußballleben. Dabei liest der Fußball-Experte Willmann Auszüge aus verschiedenen Kapiteln des Buches, die Lindemann anschließend kommentiert und vertieft.

Klassisch beginnen die Männer in Lindemanns Kindheit. Durch die Enge eines Sieben-Personen-Haushalts im kleinen Familienhaus zog es den gebürtigen Halberstädter früh ins Freie. Aufgrund seiner schmächtigen Statur bekommt Lindemann als Kind den Spitznamen „Lutzchen“, der sich im Laufe seiner Fußballkariere schließlich zum für Kenner gängigeren „Linde“ wandelte. Das größte Vorbild für den neunjährigen und bereits sportlich erfolgreichen Lindemann war der brasilianische Ausnahmespieler Pelé: „Pelé vorne, Pelé hinten. Alle wollten so sein, wie Pelé“, erinnert sich Lindemann im Gespräch mit Willmann.

Im folgenden Auszug, den Willmann vorliest, geht es darum, wie Lindemann selbstständig vom 1. FC Magdeburg zum Eisenhüttenstädter Verein FC Stahl wechseln will. „In der DDR konnte man nicht so einfach den Club wechseln“, so der bis 1981 aktive Oberliga-Spieler. Sein eigenmächtiges Handeln bleibt nicht ungestraft - eine zweijährige Spielsperre ist die Folge. Im Jahr 1968 darf er dann schließlich in der Bezirksklasse spielen, was den Weg für viele kommende Erfolge ebnete.

Während seines unvermeidlichen Wehrdienstes erleidet der Profi-Kicker einen Meniskusriss, der erst nach vier Monaten operativ behandelt wird. Mit dem geschienten Bein reicht es nur noch zum Kartoffelschälen. „Dennoch habe ich es damit geschafft unseren Sohn zu zeugen – und das war nicht leicht“, wirft Lindemann an dieser Stelle ein – und bringt damit neben seiner Frau Monika auch das weitere Publikum im Kultur: Haus Dacheröden zum Lachen. Nach seiner Entlassung aus dem Wehrdienst wird der Fußballer vom DFB 1971 von Motor Nordhausen zum FC Rot-Weiß Erfurt delegiert, womit er die höchste DDR-Spielklasse erreicht.

Der FC RWE kommt trotz Lindemanns Einsatz in der Oberliga kaum über die mittleren Tabellenplätze hinaus und steigt 1971 in die 2. Liga ab. Der 69-Jährige sieht das Problem ganz klar bei den Trainern und der fehlenden Forderung und Förderung der Spieler. 1977 wechselt er dann zum Thüringer Rivalen FC Carl Zeiss Jena. Dort spielt er bis zu seinem Karriereende 1981 und feiert seine größten Erfolge, wie das Finalspiel um den Europapokal der Pokalsieger.

Im anschließenden Gespräch mit dem Publikum wir die seit jeher bestehende Rivalität zwischen dem FC Rot-Weiß Erfurt und dem FC Carl Zeiss Jena thematisiert. „Eine normale Rivalität tut gut, diese Ausartungen aber sind zu viel“, meint Lindemann und erklärt, dass er sich für diesen Konkurrenzkampf trotz seines Wechsels von Erfurt nach Jena nicht mitverantwortlich sieht.

Das Schlusswort des Abends überlassen Frank Willmann und Lutz Lindemann mit dem Vierzeiler, der vorn im Buch steht: „Ich möchte mich bei den vielen Menschen bedanken, die mich auf meinem Weg unterstützt haben. Denjenigen, die mir absichtlich schaden wollten, habe ich schon lange verziehen – dass sie so schwach waren und mich nicht verhindern konnten.“

 

(*) Vanessa-Marie Starker studiert Literatur und Geschichte an der Universität Erfurt. In den Semesterferien absolviert sie ein Praktikum beim Verein "Erfurter Herbstlese". Als „lonelyThougt“ betreibt sie ihren eigenen Blog.

Lutz Lindemann im Kultur: Haus Dacheröden

Fotos: Uwe-Jens Igel

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