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Erfurter Herbstlese
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März 22 2019

Sarah Wiener und ihre "Bienenleben" im Atrium der Stadtwerke

Vom Glück, Teil der Natur zu sein

Sie sahen sich zum ersten Mal und verstanden sich sofort: Thüringens Umweltministerin Anja Siegesmund (links) und Starköchin Sarah Wiener.
Sie sahen sich zum ersten Mal und verstanden sich sofort: Thüringens Umweltministerin Anja Siegesmund (links) und Starköchin Sarah Wiener.

Von Vanessa-Marie Starker (*)

Die Starköchin Sarah Wiener führt das Frühlingslese-Publikum mit drei ausgewählten Textstellen ihres Buches „Bienenleben. Vom Glück, Teil der Natur zu sein“ in die faszinierende Welt der Bienen ein. Wie die meisten Leute hat auch sie die Bienen zunächst als lästig und gefährlich kennengelernt. Dieser Eindruck sollte sich jedoch später ändern. Also erzählt Frau Wiener von ihrer heutigen Liebe zu den Insekten. Die Thüringer Umweltministerin Anja Siegesmund von den Grünen geleitet sie im Atrium der Stadtwerke durch den Abend.

Zu Beginn geht es um die Frage, wie die Idee zu dem Buch entstand. Als Erklärung greift sie verschiedene politische und ökologische Probleme auf, vergleicht früher und heute miteinander und thematisiert, dass Bienen und andere Insekten inzwischen höchstens als lästig oder gefährlich empfunden werden.

Die Biene ist mit ihren Millionen Jahren eines der ältesten existierenden Lebewesen. Dennoch kann die Honigbiene heute kaum noch allein – also ohne menschliches Zutun – überleben. Die Umweltaktivistin und Biobäuerin erläutert, dass dies ein eindeutiges Zeichen ist, dass in unserer Welt und unserem Umgang mit der Welt etwas nicht stimmen kann. Sie möchte Bienen schützen und von ihnen lernen, denn Bienenvölker – so ihr Credo – sind komplexe Persönlichkeiten mit spezifischen Charakteren.

Auf die verschiedenen Charaktere geht Sarah Wiener in ihrer zweiten Lesestelle ein. Sie stellt die Arbeitsteilung der Bienen dar und geht besonders auf die „Spurbienen“ ein, die den Bienenstock verlassen, um Nahrung zu suchen. Außerdem thematisiert sie die Kommunikation der Bienen untereinander, die sich mit Tänzen und den dadurch entstehenden Vibrationen verständigen. Auch geht sie auf die hierarchischen Strukturen zwischen Bienen, Arbeiterbienen und der Königin ein, welche, laut Wiener, allein durch die unterschiedliche Ernährung im Larvenstadium zustande kommen.

Siegesmund fragt, wie Wieners Liebe zu Bienen entstanden ist. Die Frage, ob es sich um Liebe auf den ersten Blick handelt, muss Sarah Wiener verneinen: Ihre erste Begegnung mit den fleißigen Insekten war im Kindesalter, als sie mit ihrer Familie einen Sommer am Donaustrand verbrachte. Eine Biene stach sie in den Bauch; schon war die Biene als etwas Negatives und Gefährliches abgespeichert. Später sah die 56-Jährige ein, dass es falsch ist, sich zu wünschen, dass es zwar Honig, aber keine Bienen gäbe, und erkannte, dass die Insekten einen bedeutenden Beitrag für unser Ökosystem leisten.

Ihren „Erweckungsmoment“ habe sie Norbert Poeplau zu verdanken, mit dem sie gemeinsam für ihre Sendung „Sarah Wieners erste Wahl“ imkerte und der ganz ohne Schutzanzug und Schleier zu den Bienen ging. Heute sagt Wiener, dass das Erlebnis mit Poeplau ihr den Respekt vor den Bienen gelehrt und die Angst genommen hat. Wer die Bienen respektiert, der kann mit ihnen kommunizieren, erklärt sie im Gespräch mit dem interessierten Publikum.

Umweltministerin Anja Siegesmund macht auf das Geburtsjahr von Sarah Wiener aufmerksam, in welchem auch das Buch „Silent Spring“ in Amerika veröffentlicht wurde. Das Buch der Biologin Rachel Carson beschäftigt sich unter anderem mit dem Einsatz von Pestiziden. Das Buch erschien 1962, doch sein Inhalt ist nach wie vor aktuell. Siegesmund stellt in den Raum, ob sich seitdem überhaupt etwas getan habe. Es entsteht ein politischer Diskurs über das Verhältnis von Natur, Landwirtschaft und Mensch. Die Damen sind sich einig, dass in diesem Verhältnis kein Gleichgewicht mehr herrscht.

Im anschließenden Publikumsgespräch gehen Sarah Wiener und Anja Siegesmund auf verschiedene Fragen ein. Der Enthusiasmus ist Wiener anzumerken, wenn sie darüber spricht, was man gegen das Aussterben der Bienen tun kann. Sie geht im Besonderen darauf ein, dass die Bienen Nahrung brauchen und man in seinem Garten ruhig einen Teil etwas verwildern lassen kann. So stellt sie neben den Honigbienen auch die Wildbienen in den Fokus. Man merkt an der Art, wie sie die Dinge erklärt und Missstände benennt schnell, wie wichtig ihr die Themen Bienen und Umwelt sind. Sie steht zwischendurch sogar auf, um mehr Bewegungsfreiheit bei der Argumentation zu haben. Der Leitsatz, den Sarah Wiener dem Publikum mit auf den Heimweg gibt ist eindeutig: Respekt vorm Insekt.

(*) Vanessa-Marie Starker studiert Literatur und Geschichte an der Universität Erfurt. In den Semesterferien absolviert sie ein Praktikum beim Verein "Erfurter Herbstlese". Als „lonelyThougt“ betreibt sie ihren eigenen Blog.

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