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Erfurter Herbstlese
Es lebe die Erfurter Herbstlese!
Juli 26 2020

Vorgestellt von Karen Lottegier, Buchhändlerin

Nana Kwame Adjei-Brenyah „Friday Black”

Nana Kwame Adjei-Brenyah „Friday Black”
Nana Kwame Adjei-Brenyah „Friday Black”

„Friday Black” ist eine beeindruckende Kurzgeschichtensammlung. Nana Kwame Adjei-Brenyah schafft es auf schonungslose Weise gesellschaftliche Probleme auf konfrontierende Weise darzustellen. Er beschreibt, urteilt aber nicht. Das ist dem Leser überlassen. Nirgendwo hat man das Gefühl, dass eine Moralpredigt gehalten wird. Man wird voll und ganz in eine Situation hereingeschleudert und muss versuchen, sich zurechtzufinden, was nicht immer einfach ist. Durch die Direktheit der Texte und die Situationen, die man sich extrem gut vorstellen kann, fühlt man sich während des Lesens manchmal ziemlich unwohl. Es gibt ziemlich grausame Szenen, die auf so eine Art und Weise beschrieben sind, dass sich das Nackenhaar aufstellen und man am liebsten das Buch an die Wand schleudern möchte, trotzdem kann man seine Augen nicht abwenden. Man will wissen, wie es weitergeht, was der Protagonist vorhat, wie er sich entscheiden wird.

Die Texte im Buch sind sehr unterschiedlich. Es gibt Geschichten, die sehr nah an der Realität sind und andere die eher phantastisch sind. Aber alle gehen unter die Haut und lassen den Leser nachdenklich zurück. Obwohl der Klappentext ziemlich gut zusammenfasst, worum es in dem Buch geht, hatte ich etwas ganz anderes erwartet. Ich war auf jeden Fall nicht darauf vorbereitet, dass es mich so mitnehmen würde. Einige Geschichte, wie ‚Die Finkelstein Five‘, ‚Lark Street‘ und ‚Durch den Blitz‘ fand ich sehr heftig.

Die ersten beiden, weil sie moralisch so einen tiefen Eindruck machen, der letzte Text, weil die Idee, einen bestimmten Tag bis ins Unendliche immer wieder durchleben zu müssen, nicht mal sterben zu können, einfach großartig, aber auch sehr beunruhigend ist. Vor alle, wenn man dann liest, wozu Menschen imstande sind. Andere Geschichte, wie ‚Friday Black‘, ‚Wie man laut IceKing eine Jacke verkauft‘ und ‚Im Einzelhandel‘ fand ich dann wieder sehr interessant, weil sie sich vor allem mit der Gier der Menschen beschäftigen. In dem Buch werden die Situationen ein wenig extremer vorgestellt, aber ich habe das Gefühl, dass Realität und Fiktion hier nicht mehr so weit auseinanderliegen.

Nicht nur die Texte, aber auch das Buch an sich ist sehr hochwertig: Hardcover mit Lesebändchen und an der Innenseite eine sehr gelungene Illustration eines Löwen, der übrigens auch eine Rolle in eine der Geschichten spielt. Es ist schon eine Weile her, dass ich eine Kurzgeschichtensammlung gelesen habe, die mich so durcheinandergebracht hat. Deswegen: großes Lob an den Autor.

Vorgestellt von Karen Lottegier, Buchhändlerin bei Hugendubel

 

 

Nana Kwame Adjei-Brenyah „Friday Black”
Penguin Verlag, 232 Seiten, Hardcover
ISBN 978-3328601296
20,00 Euro

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