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Erfurter Herbstlese
Es lebe die Erfurter Herbstlese!
Juni 12 2020

Vorgestellt von Romy Gehrke, Kulturredakteurin bei MDR Thüringen

„Östlich der Elbe: Songs und Bilder 1970-2013“

„Östlich der Elbe: Songs und Bilder 1970-2013“
„Östlich der Elbe: Songs und Bilder 1970-2013“

Vielleicht war es diese Kritik im Musikmagazin „Rolling Stone“ über eine junge Band aus San Diego, die mit dem wunderbaren Satz „Der Plattenschrank ihrer Eltern war wohl prall gefüllt“ die ganze Bandbreite ihrer handgemachten Musik umschrieb. Ich fühle mich ertappt, dass auch ich meinem Sohn ständig die Lieder meiner Jugend vorspielte oder inbrünstig vorträllerte. Zwar nur mit stichprobenartigem Erfolg, aber immerhin konnten die Lieder vom Lehrling Paule Panke der nächsten Generation ein ernstgemeintes „cool“ abringen. Und jetzt liegt da dieser wunderbare Band auf meinem Schreibtisch.

Juni 11 2020

Vorgestellt von Dori Diamant, Reisejournalistin und Schriftstellerin

Dror Mishani „Drei“

Dror Mishani „Drei“
Dror Mishani „Drei“

Spannung pur! Diesen Krimi wegzulegen, um am nächsten Tag weiterzulesen, fällt schwer. Er beginnt leise und langsam, aber schon am Ende des ersten Kapitels kommt eine Wendung, die zu erhöhtem Herzschlag führt. Besonders das feine und detaillierte Beschreiben der einzelnen Personen und ihrer Charaktere ist beeindruckend. Sie sind derart intensiv herausgearbeitet, dass man das Gefühl bekommt, die Protagonisten näher zu kennen. Jeder Satz ist fein abgestimmt auf den nächsten. Die Worte gehen flüssig ineinander über, so dass das Lesen nicht ins Stocken gerät.

Juni 10 2020

Vorgestellt von Michelle Dylong, Mitarbeiterin beim Katholischen Forum

„Angela Merkel ist Hitlers Tochter"

„Angela Merkel ist Hitlers Tochter"
„Angela Merkel ist Hitlers Tochter"

Dieses Buch ist nicht nur eine Reise durch das Land der Verschwörungstheorien. Es ist die Rede von Klassikern wie Chemtrails über die eigentlich flache Erde und die vermeintliche jüdische Weltverschwörung bis hin zu abstrusen Vorstellungen von Echsenmenschen und der Theorie, Angela Merkel sei Hitlers Tochter; frei nach der Devise: verrückter geht es immer. Es möchte aber mehr sein als eine bloße Sammlung. Es thematisiert den Ursprung solcher Konstrukte, wie sie miteinander zusammenhängen und warum sie einen solchen Reiz auf Menschen jeden Alters und jeden Bildungsgrades ausüben.

Juni 09 2020

Vorgestellt von Margarete von Schwarzkopf, Literaturkritikerin

Gerhard Henschel „Soko Heidefieber“

Gerhard Henschel „Soko Heidefieber“
Gerhard Henschel „Soko Heidefieber“

Gerhard Henschel, Schriftsteller aus Hamburg, hat einen unglaublich schrägen Krimi geschrieben. Eine haarsträubende Parodie auf den Boom des Regionalkrimis und voller satirischer Anspielungen auf die kleinen und größeren Macken in unserer selbstzufriedenen Gesellschaft. Ein Krimi für Leser mit Sinn für den Humor, den einst die Gruppe Monty Python so unvergesslich interpretierte. Und übrigens – spannend ist das Buch bei allem humoristischen Wirrwarr auch. Denn man möchte schon gerne wissen, wer der Täter ist – ein Psychopath oder ein verkappter Literaturkritiker – oder beides!

Juni 08 2020

Vorgestellt von Benjamin Sippel, Historiker

Peter Parsons „Die Stadt des Scharfnasenfisches“

Peter Parsons „Die Stadt des Scharfnasenfisches“
Peter Parsons „Die Stadt des Scharfnasenfisches“

Sie gruben sich durch Berge von Müll und stöberten mit Vorliebe in den Hinterlassenschaften anderer Leute: Die Rede ist hier von zwei britischen Gentlemen, Bernard Pyne Grenfell und Arthur Surridge Hunt, die um 1900 am Rande einer ägyptischen Kleinstadt den Fund ihres Lebens machten. Denn die Hügel entpuppten sich als antike Mülldeponie, in der sich über die Jahrtausende Schriftstücke aus Papyrus konservierten. Was den ehemaligen Bewohnern bloß Unrat war, stellt heute einen der bedeutendsten Schätze zur Erforschung des Altertums dar.

Juni 07 2020

Vorgestellt von Katja Kemnitz, Mitarbeiterin der Erfurter Herbstlese

Thomas Mullen „Darktown“

Thomas Mullen „Darktown“
Thomas Mullen „Darktown“

Vor ein paar Tagen fragte mein Mann nach neuem Lesestoff und ich drückte ihm „Darktown“ von Thomas Mullen in die Hand. Passender geht´s gerade nicht. Denn dieser Tage scheint es nur schlimme Nachrichten aus den USA zu geben. Neben allen anderen Katastrophen schlägt sich die Bevölkerung nun auch mit ihrem alten Rassenkonflikt herum – buchstäblich und in aller Härte. Namensgebend für diesen Krimi ist das Stadtviertel Sweet Auburn in Atlanta, wo nur Farbige wohnen. 1948 dürfen dort erstmals sogenannte Negroe Officers, farbige Polizisten, Streife laufen. Mehr aber auch nicht.

Juni 06 2020

Vorgestellt von Margarete von Schwarzkopf, Literaturkritikerin und Autorin

Sigrid Nunez „Der Freund“

Sigrid Nunez „Der Freund“
Sigrid Nunez „Der Freund“

Eigentlich mag die Erzählerin von Sigrid Nunez‘ Roman Katzen sehr viel lieber als Hunde. Doch dann taucht plötzlich ein riesiger Vertreter der Gattung Canidae in ihrem Leben auf. Apollo heißt diese Dogge, die Hinterlassenschaft eines Freundes, mit dem die Erzählerin viele Jahre eng vertraut war. Beide sind Schriftsteller, der Freund war dreimal verheiratet, daneben gab es zahlreiche Affären. Doch seine Beziehung zu der Erzählerin ließe sich am besten mit Seelenverwandtschaft beschreiben. Er begeht Selbstmord und lässt eine völlig verstörte, zutiefst traurige Freundin zurück. Doch dann kommt Apollo.

Juni 05 2020

Vorgestellt von Ulf Annel, Autor und Kabarettist

Sieglinde Mörtel „Tratsch vun frieher und itze"

Sieglinde Mörtel „Tratsch vun frieher und itze"
Sieglinde Mörtel „Tratsch vun frieher und itze"

Mittendrin im Thüringer Dialekt-Mischmasch - In „Tratsch vun frieher und itze“ erzählt Sieglinde Mörtel unterhaltsame Heimatgeschichten. Da liegt aufgeschlagen ein Buch. Ein Mann schaut auf die linke Seite und fragt: „Wasndas?“ Was ist denn das? Die Antwort ist einfach. Es ist Dialekt, so geschrieben wie gesprochen. Das Buch hat den Titel „TRATSCH vun frieher un itze“. Das großbuchstabige Wort ist sofort verständlich, der Rest entschlüsselbar. Es wird der Leserschaft auch sonst leicht gemacht, denn dies ist ein zweisprachiges Buch: links die Mundart, rechts Hochdeutsch.

Juni 04 2020

Vorgestellt von Marlene Borchers, Literaturwissenschaftlerin

Karen Köhler „Miroloi“

Karen Köhler „Miroloi“
Karen Köhler „Miroloi“

In Karen Köhlers Roman steht eine beinahe vollständig abgeschottete, stark patriarchisch geprägte Gesellschaft im Mittelpunkt, die auf einer Mittelmeerinsel ihr streng reglementiertes Dasein fristet. Die namenlose Protagonistin ist ein Findelkind und bewegt sich dadurch am Rande dieser Gesellschaft. Der Stil der Autorin ist recht einfach gehalten, passt aber gerade dadurch in das Bild, dass von der Bewohnerin einer Welt gezeichnet wird, die weder Bildung, noch ein liebevolles Zuhause hat. Durch die Naivität und die Lernwilligkeit der Protagonistin wird umso deutlicher, welche Bedeutung Sprache hat.

Juni 03 2020

Vorgestellt von Willy Römer, Kritischer Zeitgenosse im Vorruhestand

Margot Spohn „Was blüht denn da?“

Margot Spohn „Was blüht denn da?“
Margot Spohn „Was blüht denn da?“

Wenn es während des Studiums auf Exkursion ging, hatte der Botanikprofessor für die zukünftigen Biochemiker stets einen Trost parat. Man könne mit Hilfe eines Bestimmungsbuches Pflanzen nur dann einer Art zuordnen, wenn man sie zuvor schon kannte. Ein wirklich netter Mann; alle, selbst die Studenten seines Lehrstuhls, versuchten die mündliche Prüfung „Höhere Pflanzen“ bei ihm abzulegen. Aber auch wenn das exakte Bestimmen den ungeübten Pflanzenliebhaber vor echte Probleme stellt, ist eine passable Annäherung an die botanische Wahrheit mit Hilfe eines guten Buches kein Hexenwerk.

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Erfurter Herbstlese e.V. - Es lebe die Erfurter Herbstlese!

Unser Literaturverein organisiert seit 1997 die Erfurter Herbstlese, die zu den großen literarischen Veranstaltungsreihen in Deutschland gehört. Es lebe die Erfurter Herbstlese!

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